Glossar medizinischer Fachausdrücke

| cAMP |
Abk. für
zyklisches Adenosinmonophosphat, ein Stoff der auf verschiedene Signale
(von außen oder innen) in einer Zelle gebildet werden kann. cAMP stellt
ein wichtiges Glied in vielen Signalketten biologischer
Informationsübertragung dar ("second messenger"). Es wird aus ATP
(Adenosintriphosphat) gebildet und entfaltet seine Wirkung als
Informationsüberträger durch die Beeinflussung der Aktivität eines
Enzyms (Proteinkinase A). |
| Calcium-Kanal |
ein
Eiweißmolekül, das in einer Zellmembran die Funktion hat, auf ein (z.B.
chemisches oder elektrisches) Signal hin Calciumionen durch die
Zellmembran treten zu lassen; Calciumkanäle sind essentiell wichtig für
die Funktion des Herzens, sowie von Nerven und Muskeln engl. calcium
channel | | Capsula
interna | ein Gebiet
weißer Substanz im
Gehirn, enthält zum Cortex hin- und vom Cortex wegführende Nervenfasern |
| cardiac |
engl.
kardial, das Herz betreffend |
| cardiotoxicity |
engl.
kardiotoxisch, herzschädigend |
| case-control study |
engl.
Fall-Kontroll-Studie |
| catecholamines |
engl.
Katecholamine |
| Caudatus |
s.
Nucleus caudatus | | Cavum
septum pellucidum | ein (nicht
bei allen Manschen vorhandener)
Hohlraum in der Mitte des Septum pellucidum |
| Cavum
vergae | ein zum
Hinterkopf hin vergrößertes Cavum septum pellucidum |
| CD |
Abk. für
Cluster of Differentiation, systematische, durchnummerierte Bezeichnung
für Moleküle auf der Oberfläche von weißen Blutkörperchen |
| Cerebellum |
s. Kleinhirn |
| cerebral |
das Gehirn
betreffend | | Cerebrospinalflüssigkeit
| s. Liquor |
| Cerebrum |
s. Großhirn |
| cesarean
section | engl.
Kaiserschnitt | | Cholin |
molekularer
Bestandteil von Acetylcholin |
| cholinerg |
1.
Acetylcholin freisetzend, 2. auf
Acetylcholin reagierend, engl.
cholinergic | | Cholinesterase |
Kurzform
von Acetylcholinesterase, s. Acetylcholin |
| Chorea |
Neurologie,
Bezeichnung für eine Gruppe von Bewegungsstörungen, charakterisiert
durch schnelle Bewegungen fast aller Körperregionen und niedrige
Spannung der Muskeln | | Chorea
Huntington | Neurologie,
autosomal-dominant
vererbte Krankheit, die meistens ab dem 30. Lebensjahr ausbricht;
Ursache der Symptome ist das allmähliche Absterben von Nervenzellen im
Striatum. Die Krankheit bricht bei allen
Trägern des defekten
Gens aus und verläuft immer tödlich. engl. Huntington's
disease |
| Chorea
Sydenham | auch Chorea
minor, rheumatisches Fieber (eine Form der Autoimmunreaktion)
mit einem besonderen Krankheitsverlauf, bei dem Symptome einer
Chorea im Vordergrund stehen. Ursache
ist eine
Autoimmunreaktion gegen die Basalganglien. Die
Krankheit heilt
meist vollständig innerhalb einiger Monate, es kann aber zu Rückfällen
kommen. | | Chromosom
| Struktur im Zellkern, die
aus einem
DNA-Doppelstrang und Eiweißmolekülen (Histone u.a.) besteht. Der Mensch
hat 46 Chromosomen, wovon 22 jeweils fast identische (homologe) Paare
bilden. Ein Chromosomenabschnitt mit einem Gen wird als Locus (auch
Genlocus) bezeichnet. Ein Kind erhält jeweils die Hälfte der
Chromosomen von beiden Elternteilen; bei einer Zellteilung werden die
Chromosomen zunächst verdoppelt und dann auf beide neuen Zellen
aufgeteilt. Das typische Erscheinungsbild als zwei Bänder, das in
vielen Abbildungen gezeigt ist, haben Chromosomen nur in der Mitte der
Zellteilung, sonst sind sie fadenförmig. |
| chromosomaler
Locus | s. Chromosom |
| Chromosomenaberration |
Genetik,
Abweichungen von der normalen Struktur oder Anzahl der Chromosomen |
| Chromosomensatz |
Genetik,
der
einfache Chromosomenbestand (s.a. Chromosom), in dem jedes Chromosom
einmal vertreten ist; manchmal auch der doppelte Chromosomensatz, der
in normalen Körperzellen vorhanden ist, engl. chromosome set |
| Cingulotomie
| operative
Durchtrennung des Gyrus cinguli, s.a.
Lobotomie |
| clinic
population | engl.
Klinikpopulation |
| clinical diagnosis |
engl.
klinische Diagnose |
| clinical presentation |
engl.
klinisches Bild |
| Clonus | s.
Klonus |
| Cochrane
Collaboration |
ein
weltweites Netzwerk, das wissenschaftliche Ergebnisse aus der
medizinischen Forschung auswertet und daraus (evtl. verbindliche)
Empfehlungen für die Behandlung betimmter Krankheiten entwickelt; Das
Ziel ist eine möglichst objektive Grundlage der Empfehlungen zu
schaffen. | | cognitive
behaviour therapy | engl.
kognitive Verhaltenstherapie |
| cohort |
engl.
Kohorte |
| Colliculus
superior | Kerngebiet im
Hirnstamm, spielt eine
wichtige Rolle bei unbewussten Augenbewegungen, z.B. Verfolgen eines
sich bewegenden Objekts |
| comorbid | engl.
komorbid, s. Komorbidität |
| Competive
Response-Training |
Hier
werden Verhaltensweisen eingeübt, die mit dem Problemverhalten
inkompatibel sind. Welche Verhaltensweisen das sind, hängt vom
Problemverhalten und dem sozialen Kontext ab. Bei Nägelkauen wäre eine
inkompatible oder konkurrierende Verhaltensweise beispielsweise das
Ballen der Hände zur Faust. Diese Verhaltensweisen werden erst im
Therapiesetting eingeübt und sollen dann auf den Alltag übertragen
werden | | Compliance
| Bereitschaft des Patienten,
Hinweise und
Verordnungen des Arztes zu befolgen |
| conduct
disorder | engl.
Verhaltensstörung | | constipation |
engl.
Verstopfung | | Continuous
Performance Test | Ein
Continuous Performance Test (CPT) ist
ein Test für Aufmerksamkeit und Impulsivität. Dabei werden einzeln und
nacheinander in zufälliger Abfolge entweder das Bild einer Katze oder
eines Hundes (bei Erwachsenen Buchstaben) präsentiert. Bei einer
spezifischen kritischen Sequenz (Hund, der unmittelbar auf die Katze
folgt) soll reagiert werden („hit“), bei allen anderen Stimuli soll die
Reaktion unterdrückt werden. Die Anzahl der verpassten Targets
(Omission-Fehler) wird als Maß für die Unaufmerksamkeit angesehen. Die
Anzahl der falschen Alarme (Commission-Fehler) gilt als Maß für die
Impulsivität. | | contralateral
| auf der gegenüberliegenden
Seite |
| controlled
study | engl.
kontrollierte Studie |
| Coprolalia | engl.
Koprolalie |
| coronal |
engl.
koronal |
| coronary |
engl.
koronar, die Herzkranzgefäße betreffend |
| Corpus
amygdaloideum |
s.
Amygdala | | Corpus
callosum | dt.
Balken, die größte der Verbindungen
zwischen beiden Hirnhälften, besteht aus Fortsätzen (Axonen) von
Nervenzellen | | Corpus
pineale | s. Zirbeldrüse |
| Cortex
(Gehirn) | Oberfläche
des Gehrins; meistens ist die Oberfläche des Großhirns gemeint.
Der Cortex erscheint von außen als gefaltete Oberfläche
("Hirnwindungen"). Er enthält viele Zellkerne von Nervenzellen und hat
deshalb eine graue Farbe. Eine grobe Gliederung unterscheidet 1.
Frontallappen oder Stirnlappen, 2. Parietallappen oder Scheitellappen,
3. Temporallappen oder Schläfenlappen, 4. Occipitallappen oder
Hinterhauptslappen, 5. Insellappen (von außen nicht sichtbar), 6.
Limbischen Lappen oder Randlappen (von außen nicht sichtbar). Bei
bewussten Vorgängen ist der Cortex die wichtigste Struktur,
verschiedene Regionen sind auf bestimmte Aufgaben (z.B. Hören, Sehen,
Bewegung) spezialisiert. Allerdings sind sowohl weitere Teile des
Gehirns entscheidend an bewussten Vorgängen beteiligt als auch Teile
des Cortex an unbewussten Vorgängen. Erhebungen des Cortex werden als
Gyrus (Mehrzahl Gyri) und Vertiefungen als Sulcus (Mehrz. Sulci)
bezeichnet | | cortico-striato-thalamo-corticale
Regelkreise | Eine Kette von
Nervenzellen, bei der sich
Aktionspotentiale vom Cortex zum Striatum dann
zum Thalamus und wieder zum Cortex
ausbreiten. Ein gut
untersuchtes Beispiel für einen solchen Regelkreis ist die Planung
eines Bewegungsablaufs. Hierbei spielen allerdings noch weitere
Regelkreise eine entscheidende Rolle, die u.a. andere Teile der
Basalganglien und das Kleinhirn mit einbeziehen. |
| Cortisol |
wichtigstes
Glucocorticoid |
| Cortison | ein
Hormon
der Nebennierenrinde (s. Nebenniere), das chemisch mit Cortisol
verwandt ist und oft als Medikament eingesetzt wird, da es
Entzündungsreaktionen sehr wirksam unterdrücken kann. Es hemmt
ausserdem das Immunsystem, steigert den Blutzuckerspiegel und stellt
den Stoffwechsel des Körpers auf eine Hungerperiode ein. |
| CPT |
s.
Continuous Performance Test |
| Creatin | s.
Kreatin |
| Creatinin |
s. Kreatinin |
| cricothyroid
puncture |
engl.,
Einführen einer Nadel in den Kehlkopf von vorne durch eine Lücke unter
dem Knorpel, der den Kehlkopf bedeckt (Schildknorpel) |
| Crossover
- Studie | eine
Studienform, die zwei Behandlungen an zwei Gruppen vergleicht; Gruppe A
erhält zuerst Behandlung A und dann Behandlung B. Umgekehrt erhält
Gruppe B zuerst Behandlung B und dann Behandlung A. Damit werden Fehler
durch unbewusste Lerneffekte bei Patienten (Konditionierung) vermieden. |
| Cuneus |
Neuroanatomie,
ein Bereich in dem Teil des Cortex, der dem Sehen
zugeordnet ist |
| cut-off |
ein
Zahlenwert, der eine definierte Grenze darstellt, wenn ein Zahlenwert
in eine Kategorie übersetzt wird; beispielsweise muss bei einem
Hämoglobinwert im Blut unter 12mg/dl
nach der Ursache gesucht
werden. (12mg/dl ist hier der cut-off zwischen normal und zu
Anämie.) Nicht nur bei Laborwerten wird
ein cut-off definiert
sondern auch bei Scoring-Systemen. |
| cyclic AMP |
s. cAMP |
| Cytochrome |
eisenhaltige
Enzyme, die meistens chemische
Reaktionen mit Sauerstoff
ausführen, speziell im Zusammenhang mit Arzneimitteln ist das Cytochrom
P 450 - System von großer Bedeutung, da sehr viele Arzneimittel von
diesem Enzym in der Leber abgebaut und dann ausgeschieden werden. |
| cytogenetic |
s.
Zytogenetik |
| Cytokin
| s. Zytokine |
| cytopenia |
engl.,
Verminderung der Zellzahl (meistens sind Blutzellen gemeint) |
| cytotoxische
T-Lymphozyten |
s.
zytotoxische T-Lymphozyten |
Dieses Glossar wurde von Gregor
Wenzel in Zusammenarbeit mit dem IVTS erstellt.
Die
Erkenntnisse in der Medizin unterliegen laufendem Wandel durch
Forschung und klinische Erfahrungen. Der Autor dieses Glossars hat
große Sorgfalt darauf verwendet, dass die hier gemachten Angaben
(insbesondere zu Therapieverfahren und Arzneimitteln) dem derzeitigen
Wissensstand entsprechen. Jedoch können Autor und der Verband IVTS e.V.
keine Gewähr für diese Informationen übernehmen.
Literaturreferenzen: 1. Roche Lexikon
Medizin, 5. Aufl., Urban & Fischer, 2003 2.
Duden, Das Wörterbuch medizinische Fachausdrücke, 6. Aufl.,
Dudenverlag, 1998 3. Poeck, Hacke, Neurologie, 12.
Auflage, Springer, 2006 4. Faller, Lang,
Medizinische Psychologie und Soziologie, 2. Aufl., Springer, 2006 5.
Reuter, Dictionary of Clinical Medicine, Thieme, 1997 6.
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 261. Aufl., de Gruyter,
2007 7. Berlit, Klinische Neurologie, 2. Aufl.,
Springer, 2006 8. Murken et al.,
Humangenetik, 7. Auflage, Thieme,2006 9.
Buselmaier, Humangenetik, 4. Aufl., Springer, 2007 10.
Aktories et.al., Pharmakologie und Toxikologie, 10. Aufl., Elsevier,
2009 11. Tölle, Windgassen, Psychiatrie einschließlich
Psychotherapie, 15. Aufl., Springer, 2009 12. Rupprecht, Roter
Faden Psychiatrie und Psychotherapie, Wiss. Verl.-Ges. Stuttgart, 2006 13. Schünke, Schulte, Schumacher, Prometheus - Kopf und Neuroanatomie, Thieme, 2006 14. Klinke, Pape, Silbernagl, Physiologie, 5. Aufl., Thieme, 2005 15. Schmidt, Lang, Physiologie des Menschen, 30. Aufl. Springer, 2007
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