Interessenverband Tic & Tourette
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Glossar medizinischer Fachausdrücke


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ECG engl. Abkürzug für Elektrokardiogramm (EKG)
Echoerscheinungen auch Echomatismus, zwanghaftes Nachahmen von Sprache oder Bewegungen
Echolalie das ein- oder mehrmalige, zwanghafte Nachsprechen von Wörtern oder Sätzen
echophenomena engl. >Echoerscheinungen
Echoplanar - Bildgebung Radiologie, Methode der >Kernspintomographie, hat den Vorteil besonders schnell Bilder zu liefern
Echopraxie bezeichnet das Imitieren bzw. Nachahmen von Tics; dieses Phänomen tritt manchmal auf, wenn Betroffene mit anderen Personen zusammentreffen.
Economo - Krankheit Gehirnentzündung unklarer Ursache; Symptome: Fieber, Schlafsucht, Lähmungserscheinungen am Kopf, nach Ausheilung Parkinsonismus
EDTA Abk. für Ethylene Diamine Tetra-Acetate, ein Stoff der in einer entnommenen Blutprobe die Blutgerinnung verhindert; so können z.B. die Blutzellen unter dem Mikroskop untersucht werden
EEG Abk. für Elektroenzephalogramm; die Darstellung von elektrischen Spannungen an der Kopfhaut als Kurve auf Papier; die elektrischen Spannungen entstehen durch Nervenzellen im >Cortex
EEG-Bereitschaftspotenziale s. bewegungskorreliertes Bereitschaftspotential
egodyston eigene Gedanken oder eigenes Verhalten wird als widersprüchlich zu eigenen Zielen und Einstellungen wahrgenommen, dadurch entsteht oft ein hoher Leidensdruck z.B. bei >Zwangsstörungen engl. egodystonic
egosynton eigene Gedanken oder eigenes Verhalten wird als übereinstimmend zu eigenen Zielen und Einstellungen wahrgenommen, engl. egosyntonic
Einfach-Blind Studie Studie, die verschiedene Behandlungen (auch Behandlung gegen Placebo) vergleicht; der Patient weiss nicht, welche Alternative er erhält.
Einschlusskriterium Statistik, Vor jeder Studie, an der Patienten teilnehmen, werden Einschlusskriterien definiert, die Patienten erfüllen müssen, um an der Studie teilnehmen zu können. Dies sind z.B. ein bestimmtes Alter und die zu untersuchende Erkrankung. Außerdem werden Ausschlusskriterien definiert, mit denen gewährleistet werden soll, dass verschiedene Patienten vergleichbar sind. Ein Ausschlusskriterium können beispielsweise schwere, weitere Erkrankungen sein, an denen ein Patient zusätzlich zur in der Studie untersuchten Krankheit leidet.
Einzelnukleotid bezeichnet eine einzelne Nucleinbase (kleinste Informationseinheit auf der >DNA)
Einzelnukleotid-Polymorphismus (SNP) Unterschiede in der >DNA verschiedener Individuen, die nur aus einer einzelnen Nucleinbase (kleinste Informationseinheit auf der >DNA) bestehen
Eisenspeicher Eisen, das in Leber, Milz und Knochenmark gespeichert ist; liegt in Form von Ferritin (bei Bedarf schnell wieder verwertbar) und Hämosiderin (nur langsam wieder verwertbar) vor; Eisen wird zum größten Teil zur Bildung von >Hämoglobin benötigt.
EKG s. Eletrokardiographie
Electroconvulsive Therapie s. Elektrokrampftherapie
Elektrokardiographie Aufzeichnung von elektrischen Spannungen an der Brustwand, die bei der Erregung von Herzmuskelzellen entstehen
Elektrokrampftherapie psychiatrische Behandlungsmethode, bei der elektrischer Strom durch dem Schädel geleitet wird. Dies löst einen Krampfanfall des gesamten Körpers aus. Da der Patient bei der Behandlung narkotisiert wird und ein Medikament zur Muskelentspannung erhält, ist der Krampfanfall weder schmerzhaft noch schädlich. Im Gegensatz zur Darstellung in verschiedenen Medien und Gerüchten ist die Elektrokrampftherapie keine Behandlung, die darauf abzielt, das Gehirn des Patienten zu schädigen oder Gedächnisinhalte auzulöschen. Die Therapie wird vor allem mit gutem Erfolg bei schwersten, auf Medikamente nicht reagierenden Depressionen eingesetzt.
Elektromyographie Darstellung von elektrischen Spannungen in einem Muskel als Kurve; damit lassen sich Muskelbewegungen und die Aktivierung des Muskels durch den zugehörigen Nerven beurteilen
ELISA Abk. für Enzyme Linked Immunosorbent Assay, wichtigste >Immunoassay-Technik; Ziel ist es nachzuweisen, dass eine bestimmte, biologisch aktive Substanz in einer Probe vorhanden ist. Im ersten Schritt werden spezifisch gegen die gesuchte Substanz gerichtete Antikörper zu Probe gegeben. Haben die Antikörper an die gesuchte Substanz angedockt, wird dies in einem zweiten Schritt mit einem Farbstoff sichtbar gemacht.
embryonale neurale Stammzellen aus Embryonen gewonnene Zellen, die mit vielfacher Zellteilung in der Lage sind, Teile des Nervensystems neu zu bilden
EMG Abk. für >Elektromyographie
Encephalitis lethargica s. Economo - Krankheit
Endemie in einer Gegend heimische Krankheit, von der ein größerer Anteil der Bevölkerung regelmäßig erfasst wird (z.B. die Windpocken in Deutschland), engl. endemic disease
endemisch als >Endemie auftretend, engl. endemic
Endhirn auch Telencephalon
endokrin die >Hormone betreffend, Hormone ausschüttend, engl. endocrine
Enzym ein Eiweißmolekül, das als Biokatalysator wirkt, d.h. es beschleunigt die im Körper ablaufenden biochemischen Vorgänge, ohne dabei verbraucht zu werden.
Epidemie massenhaftes Auftreten einer (meist ansteckenden) Krankheit mit begrenzter Dauer und in einem begrenzten Gebiet; eine >Pandemie dagegen ist nicht auf ein begrenztes Gebiet beschränkt.
epidemiologisch die >Epidemiologie betreffend
Epidemiologie Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Häufigkeit und Verteilung von Krankheiten in der Bevölkerung beschäftigt; dabei werden mit meist statistischen Verfahren Risikofaktoren, mögliche Ursachen und soziale Folgen der Krankheiten untersucht. Mit übertragbaren Infektionskrankheiten, die z.B. als >Epidemie aufteten können, befasst sich das Teilgebiet der Infektionsepidemiologie. engl. epidemiology
epigastrisch im Oberbauch gelegen
epigenetisch 1. bezeichnet Veränderungen in der Erbinformation, die nicht die Nucleinbasen der DNA selbst verändern, sondern die "Lesbarkeit" und damit die Wirksamkeit dieser Information 2. die gegenseitige Beeinflussung von Erbinformationen und Umwelt betreffend
Epiphyse (Gehirn) s. Zirbeldrüse
EPSE extrapyramidal side-effect
ERP-P300 ein EEG-Signal (s. EEG) das 300 Millisekunden nach einem bestimmten Sinnesreiz auftritt
Erythrozyt rotes Blutkörperchen, wird im roten Knochenmark gebildet, enthält >Hämoglobin in hoher Konzentration, dient vor allem dem Sauerstofftransport
essentieller Tremor >Tremor, der bei bewussten Bewegungen oder beim Halten von Körperstellungen auftritt; ist in 50% der Fälle erblich; tritt im Gegensatz zum Parkinson-Termor (s. Parkinsonismus) nicht in Ruhe auf.
etiopathological engl. die Krankheitsentstehung betreffend
evidenzbasierte Medizin eine Richtung der Medizin, welche fordert, individuelle Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden, wissenschftlichen Daten zu behandeln, dazu werden wissenschaftliche Veröffentlichungen systematisch bewertet und verarbeitet. engl. evidence-based medicine
evozierte Potentiale im >EEG mit Hilfe von Computerberechnungen aus vielen Wiederholungen berechenbare Signale, die im Gehirn als Reaktion auf äußere Reize (z.B. Töne) hin auftreten
exclusion criteria engl. >Ausschlusskriterium
Exekutive Funktionen Psychologie, auch Exekutivfunktionen, kognitive Prozesse, die zum Erreichen eines definierten Ziels die flexible Koordination mehrerer Unterprozesse steuern; mit dem Begriff exekutive Funktionen bezeichnet man mentale Prozesse höherer Ordnung, die für selbständiges, vorausschauendes Planen und Handeln erforderlich sind. Zugehörige Begriffe sind: kognitive Flexibilität, zeitliche Aneinanderreihung von Handlungsabläufen, Fähigkeit zur Unterdrückung von Impulsen und zur Kontrolle von Verhalten. Letztlich umfassen die exekutiven Funktionen Problemlösestrategien. Ein bekanntes Testverfahren zur Prüfung der exekutiven Funktionen sind die Türme von Hanoi.
exogen durch äußere Ursachen entstanden, von außen in den Körper eingeführt, engl. exogenous
Exon DNA-Abschnitt, der Informationen für die Synthese eines Eiweissmoleküls enthält, s.a. Intron
Exotropie Schielen, bei dem ein Auge zu weit nach außen blickt
explicit memory system engl. >explizites Gedächnis
explizites Gedächnis auch deklaratives G., Teil des Langzeitgedächnisses, das bewusste Inhalte speichert, z.B. Erlebnisse und Fakten, s.a. implizites Gedächnis
Expression (Genetik) s. Genexpression
Externalisierung Vergegenständlichung innerer Vorgänge im Sinne einer Verbalisierung
Extrapolation Statistik, bezeichnet eine Vorraussage aufgrund einer statistischen Untersuchung, wobei sich die Vorhersage nicht auf den untersuchten Zahlenbereich beschränkt; eine E. liegt beispielsweise vor, wenn die Wirkung eines Arzneimittels für eine Dosierung vorrausgesagt wird, die höher ist als die bisher untersuchten Dosierungen. Häufig sind Extrapolationen nicht sinnvoll und führen zu falschen Aussagen.
extrapyramidal auf das >extrapyramidal-motorische System bezogen
extrapyramidal-motorischen Störungen Überbegriff für Krankheiten, die auf Fehlfunktionen der >Basalganglien beruhen; wichtigste Formen: >Parkinsonismus, >Chorea
extrapyramidal-motorisches System Teil des Bewegungssystems, das vor allem unbewusste Bewegungen ausführt, z.B. zum Halten der aufrechten Körperhaltung, wird auch als Synonym für die >Basalganglien verwendet, was historisch bedingt und heute überholt ist. Eine genaue Abgrenzung zum pyramialen System, das vor allem bewusste Bewegungen ausführt, ist nach neueren Forschungsergebnissen nicht sinnvoll.
extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen Nebenwirkungen, die auf Störungen des >extrapyramidal-motorischen Systems durch das Medikament zurückgeführt werden; dazu gehören 1. Frühdyskinesien: Muskelkrämpfe im Kopf-Hals-Bereich 2. Parkinsonoid: durch Medikamente verursachter >Parkinsonismus 3. >Akathisie: Sitzunruhe 4. Spätdyskinesien: ungewollte Bewegungen im Mundbereich und an den Extremitäten
Exzitabilität Erregbarkeit

Dieses Glossar wurde von Gregor Wenzel in Zusammenarbeit mit dem IVTS erstellt.

Die Erkenntnisse in der Medizin unterliegen laufendem Wandel durch Forschung und klinische Erfahrungen. Der Autor dieses Glossars hat große Sorgfalt darauf verwendet, dass die hier gemachten Angaben (insbesondere zu Therapieverfahren und Arzneimitteln) dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Jedoch können Autor und der Verband IVTS e.V. keine Gewähr für diese Informationen übernehmen.

Literaturreferenzen:

1.   Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl., Urban & Fischer, 2003
2.   Duden, Das Wörterbuch medizinische Fachausdrücke, 6. Aufl., Dudenverlag, 1998
3.   Poeck, Hacke, Neurologie, 12. Auflage, Springer, 2006
4.   Faller, Lang, Medizinische Psychologie und Soziologie, 2. Aufl., Springer, 2006
5.   Reuter, Dictionary of Clinical Medicine, Thieme, 1997
6.   Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 261. Aufl., de Gruyter, 2007
7.   Berlit, Klinische Neurologie, 2. Aufl., Springer, 2006
8.   Murken et al., Humangenetik, 7. Auflage, Thieme,2006
9.   Buselmaier, Humangenetik, 4. Aufl., Springer, 2007
10. Aktories et.al., Pharmakologie und Toxikologie, 10. Aufl., Elsevier, 2009
11. Tölle, Windgassen, Psychiatrie einschließlich Psychotherapie, 15. Aufl., Springer, 2009
12. Rupprecht, Roter Faden Psychiatrie und Psychotherapie, Wiss. Verl.-Ges. Stuttgart, 2006
13. Schünke, Schulte, Schumacher, Prometheus - Kopf und Neuroanatomie, Thieme, 2006
14. Klinke, Pape, Silbernagl, Physiologie, 5. Aufl., Thieme, 2005
15. Schmidt, Lang, Physiologie des Menschen, 30. Aufl. Springer, 2007

 

 



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