Interessenverband Tic & Tourette
InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e.V.
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Glossar medizinischer Fachausdrücke


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saccadische Augenbewegungen s. Sakkaden
SAI afferente Hemmung mit kurzen Intervallen
Sakkaden schnelle, ruckartige Augenbewegungen, mit denen ein neues Objekt im Blickfeld fixiert wird; beispielsweise springen beim Lesen die Augen mit einer Sakkade am Ende einer Zeile zurück an den nächsten Zeilenanfang.
Schilddrüsenhormone in der Schilddrüse gebildete Hormone; Funktionen: Regulation von Sauerstoffverbrauch, Wärmeproduktion, >Metabolismus, Wachstum und körperliche Entwicklung (insbesondere die des Gehirns) bei Kindern
Schilddrüsenüberfunktion s. Hyperthyreose
schizotypische Persönlichkeitsstörung >Persönlichkeitsstörung, die sich durch folgende Merkmale auszeichnet: exzentrisches Verhalten, Schwächen bei zwischenmenschlicher Interaktion, Mängel in der Beziehungsfähigkeit, Störungen von Wahrnehmung oder Denken
Schlafstadien nach >EEG-Muster unterschiedene Phasen des Schlafs; unterscheiden sich in Tiefe des Schlafs, Muskespannung, Schwelle zum Aufwecken, Augenbewegungen
Schlüsselenzym Biochemie, >Enzyme, die dafür verantwortlich sind, wie viel eines bestimmten Stoffs in einem zugehörigen Teil des Metabolismus verarbeitet wird; beispielsweise wird über Schlüsselenzyme reguliert, ob Glucose aus dem Blut in Zellen aufgenommen wird oder ob Glucose gebildet und ins Blut abgegeben wird. Hormone, welche diese Schlüsselenzyme regulieren sind >Insulin bzw. >Adrenalin.
Scoring-System auch Score-System, Scoring-Systeme dienen zur Klassifizierung von Krankheiten, dabei werden Symptomen und Befunden des Patienen Punktwerte zugeordnet, die dann zu einem Gesamtwert, dem sog. Score verrechnet werden. Mit Scoring-Systemen können Behandlungsergebnisse von vielen Patienten mit unterschiedlich stark ausgeprägten Krankheitsbildern statistisch ausgewertet werden, so können sie auch dazu dienen bestmögliche Behandlungsstrategien für individuelle Patienten zu entwickeln.
second messenger ein Molekül, das als biologischer Informationsträger wirkt und sich nicht am Anfang der Informationskette befindet; z.B. kann ein >Neurotransmitter (als first messenger) an einen >Rezeptor auf einer Nervenzelle binden, was dann zur Bildung eines second messengers in der entspechenden Zelle führt. Der secondmessenger wiederum verursacht über mehrere Zwischenschritte die Reaktion der Zelle auf den Neurotransmitter. Ein wichtiger second messenger ist >cAMP.
Sedierung medikamentös herbeigeführte Beruhigung einer psychischen und/oder einer motorischen Unruhe, engl. sedation
Segregationsanalyse Genetik, ein Verfahren, bei dem zunächst ermittelt wird, wie häufig ein erbliches Merkmal in einem Familienstammbaum vorliegt um zu ermitteln, mit welchen bekannten Erbvorgängen diese Ergebnisse erklärt werden können, engl. segregation analysis
Sektio Schnitt, oft im Sinne von Kaiserschnitt
sekundär-motorischer Cortex vor dem >Gyrus präzentralis gelegener Teil des >Cortex, der v.a. der Planung von Bewegungen dient, wird unterteilt in den >prämotorischen Cortex und den >supplementär-motorischer Cortex
semi-voluntary halb-willkürlich, eine nicht willentlich ausgeführte Handlung, die aber unterdrückbar ist
senory evoked potentials s. evozierte Potentiale
sensitiv empfindlich, bezieht sich im Zusammenhang mit Tests und Laborverfahren auf die >Sensitivität, engl. sensitive
Sensitivität Statistik, eine Maßzahl, die bei Testverfahren (z.B. medizinische Schnelltests auf eine bestimmte Erkrankung) von Bedeutung ist. Die Sensitivität gibt an, wieviele untersuchte Kranke durch das Testverfahren als krank erkannt werden. siehe auch >Spezifität engl. sensitivity
sensorisch-motorisches Gating bezeichnet das Weiterleiten von Sinneswahrnehmungen an motorische (für Bewegungen zuständige) Hirnregionen, engl. sensorimotor gating
sensorischer Tic die Wahrnehmung einer speziellen Körperregion, in der später eine Tic-Bewegung erfolgen muss
Septum pellucidum dünne, aus >Gliazellen bestehende Trennwand zwischen den Seitenventrikeln (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Gehirn, s. Ventrikel)
Sequenzierung (Gentechnik) s. DNA-Sequenzierung
serologisch das >Blutserum betreffend, insbesondere im Bezug auf das Immunsystem, beispielsweise bezügl. der >Antikörper im Serum, engl. serological
Serotonin >Neurotransmitter und >Hormon, Vorkommen: >Zentralnervensystem, Lunge, Darm, Blutplättchen
serotonin reuptake inhibitor engl. Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer
serotoninerg 1. >Serotonin freisetzend, 2. auf Serotonin reagierend
Serotonintransporter ein Eiweißmolekül in der Zellmembran der Präsynapse (s. Synapse), das >Serotonin aus dem synaptischen Spalt (s. Synapse) zurück in die Präsynapse transportiert
Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer Gruppe von Medikamenten, welche die erneute Aufnahme von >Serotonin (und. evtl. >Noradrenalin) in die Präsynapse blockieren; besonders die sog. selektiven S. W.-H. sind wichtige Medikamente zur Behandlung von Depressionen (Antidepressiva), engl. serotonin reuptake inhibitor
Serum Kurzform von Blutserum, der flüssige, nach erfolgter Blutgerinnung verbleibende Teil des Blutes; Serum enthält im Gegensatz zum Blutplasma kein Fibrinogen (Eiweiß des Blutgerinnungssystems), engl. blood serum
serum level Serumspiegel, Konzentration eines Stoffs im Blutserum
Short Form-36 ein Fragebogen zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Patienten, berücksichtigt körperliches und psychisches Wohlbefinden
sib-pair analysis engl. >Geschwisterpaaranalyse
SICI intracortikale Hemmung mit kurzen Intervallen
signifikant Statistik, ein statistisches Ergebniss wird signifikant genannt, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass es auf Zufall beruht, sehr gering ist (üblicherweise kleiner als 5%)
single-blind einfach-blind, s. Einfach-blind Studie
Sinusbradykardie verlangsamte Herzschlagfolge durch Verlangsamung des natürlichen Taktgebers des Herzens (Sinusknoten), engl. sinus bradycardia
somatosensorisches System Teil des Nervensystems, der für die Körperwahrnehmung verantwortlich ist, folgende Sinneswahrnehmungen werden über das s. System vermittelt: 1. Tastsinn, 2. Temperatur 3. Schmerz, 4. Position des eigenen Körpers, 5. aufgewendete Muskelkraft, engl. somatosensory system
Spasmus Verkrampfung, Krampf, engl. spasm
spastische Dysphonie gepresste, abgehackte, knarrend einsetzende Stimme infolge Zusammenpressens der Stimmlippen beim Versuch zu Sprechen
specificity engl. >Spezifität
SPECT Abk. für engl. single-photon emission computed tomography, Methode zur dreidimensionalen Darstellung der Verteilung radioaktiv markierter Substanzen (Gammastrahler) im Körper
SPET s. SPECT
Spezifität Statistik, eine Maßzahl, die bei Testverfahren (z.B. medizinische Schnelltests auf eine bestimmte Erkrankung) von Bedeutung ist. Die Sensitivität gibt an, wieviele untersuchte Gesunde durch das Testverfahren als gesund erkannt werden. siehe auch >Sensitivität, engl. specificity
Sphinkter (Blase) Blasenschließmuskel; Kontrolliert werden die Muskeln der Blase durch das >vegetative Nervensystem.
Spontanentladung >Aktionspotential, das von einer Nervenzelle gebildet wird, ohne dass auf diese ein Reiz einwirkt
Sprue s. Zöliakie
Spurenamine im Nervensystem vorkommende Stoffe, die chemisch mit Neurotransmittern verwandt sind, engl. trace amines
Stammzelle eine Zelle, deren endgültige Funktion noch nicht festgelegt ist und die durch Teilung verschiedene Zellarten hervorbringen kann; es werden embryonale Stammzellen und adulte Stammzellen unterschieden. Embryonale Stammzellen sind in der Lage, sehr viele verschiedene Zelltypen zu bilden, sie werden bisher aus Embryonen gewonnen, was ethisch umstritten ist. Neusten Ergebnissen zufolge könnte es auch möglich sein e. S. durch gentechnische Verfahren zu gewinnen. Adulte Stammzellen können nur noch wenige Zelltypen hervorbringen und dienen der Nachbildung abgestorbener Körperzellen, z.B. bei einer Blutspende entnommene Blutzellen. engl. stem cell
Standardabweichung Statistik, ein Maß für die Streuung einzelner Werte um den Mittelwert
startle response engl. Schreckreaktion, das "Zusammenzucken" auf einen plötzlichen und intensiven Reiz
state anxiety Psychologie; in einem psychologischen Modell der Angst nach Spielberger werden zwei Formen der Angst unterschieden: state anxiety ist die aktuelle, situationsbezogene Angst, trait anxiety ist die Ängstlichkeit als situationsunabhängige Eigenschaft einer Person.
stereotaktische Operation Hirnoperation, bei der mit Hilfe eines am Kopf befestigten Zielgeräts durch eine kleine Öffnung im Schädel operiert wird; Dieses Verfahren ist besonders genau und schont die Hirnareale um das Operationsgebiet.
Stiff-Baby-Syndrom >autosomal-dominant erbliches Krankheitsbild mit angeborener, im Schlaf abnehmender, ansonsten attackenartig zunehmender Muskelspannung, Ungeschicklichkeit und bleibende Standunsicherheit, erhöhte Verletzungsgefahr durch Stürze
Stirnhirn s. Frontalhirn
Stoffwechsel s. Metabolismus
strereotypy of movements engl. >Bewegungsstereotypie
Streptokokken Gattung runder Bakterien, die in Form von Ketten wachsen; umfasst sowohl harmlose Stämme, die natürlicherweise auf der menschlichen Körperoberfläche leben, als auch mögliche Erreger von verschiednen Infektionskrankheiten, z.B. Mandelentzündung, Scharlach, Lungenentzündung
Striatum Kerngebiet der >Basalganglien, besteht aus >Putamen und >Nucelus caudatus, ist an der Planung von Bewegungen, kognitiven Prozessen und der Aufmerksamkeitsregulation beteiligt, erhält Impulse vom >Cortex, gibt Impulse an den >Globus pallidus weiter; das Striatum hat sowohl bewegungsfördernde als auch bewegungshemmende Funktionen.
subdurales Hämatom auch Subduralblutung, durch äußere Einwirkung entstandene innere Blutung, bei der sich das Blut zwischen der harten Hirnhaut (Dura) und der daruntergelegenen Spinnengewebshirnhaut (Arachnoidea) sammelt
subkortikal unter der Hirnrinde (Cortex)
Substantia alba s. weiße Substanz
Substantia grisea s. graue Substanz
Substantia nigra Kerngebiet im Hirnstamm, funktionell den >Basalganlien zugeordnet; die Nervenzellen der S.n. haben durch einen in den Zellen eingelagerten Farbstoff eine schwarze Farbe; die sogennnte Zona compacta der S.n. wirkt bewegungsfördernd, ein Ausfall verursacht >Morbus Parkinson
subthalamic nucleus engl. >Nucleus subthalamicus
superior colliculus s. Colliculus superior
Supersensitivität s. Hypersensitivität
supplementär-motorischer Cortex Teil des >sekundär-motorischen Cortex, der vor allem Aufgaben in der Planung von Bewegungen erfüllt, insbesondere bei selbst initiierten Bewegungen
supraorbitaler Nerv s. Nervus supraorbitalis
Suszeptibilitätsgen Genetik, ein Gen, welches das Risiko des Genträgers für eine bestimmte Krankheit erhöht
Sydenham's chorea engl. >Chorea Sydenham
Sympathikus Teil des >vegetativen Nervensystems, wirkt oft gegensätzlich zum >Parasympathikus, Wirkungen: u.a. Beschleunigung des Pulses, Erweiterung der Pupille, Verengung der Blutgefäße, Freisetzung von >Adrenalin aus dem Nebennierenmark (s. Nebenniere) ins Blut, engl. sympathetic nervous system
Synapse Kontaktstelle zwischen Nervenzellen bzw. Nervenzellen u. der Zellmembran anderer Zellen, die der Reizübertragung dient; eine Synapse besteht aus: 1. Präsynapse (auch präsynaptischer Teil), der Teil, welcher die Erregung auslöst, 2. Postsynapse (auch postsynaptischer Teil), der Teil, welcher die Erregung empfängt, 3. Synaptischer Spalt: der Raum, der zwischen Präsynapse und Postsynapse liegt. Die Reizübertragung an einer chemischen Synapse läuft folgendermaßen ab: Ein an der Präsynapse ankommendes >Aktionspotential löst eine Ausschüttung von in der Präsynapse gepeicherten >Neurotransmittern in den synaptischen Spalt aus. Die Transmitter-Moleküle binden an >Rezeptoren in der Zellmembran der Postsynapse, was in der postsynaptischen Zelle eine von Transmitter und Rezeptor abhängige Reaktion auslöst. Die Wirkung des Transmitters auf die Postsynapse wird schnellstens wieder aufgehoben, wobei verschiedene Mechanismen möglich sind.
Synkinesien unwillkürliche Bewegungen, die willkürliche Bewegungen begleiten
Synkope anfallsartige, kurz dauernde Bewusstlosigkeit (Ohnmacht) durch zu geringe Durchblutung des Gehirns, engl. syncope; faint
systemisch den Gesamtorganismus betreffend

Dieses Glossar wurde von Gregor Wenzel in Zusammenarbeit mit dem IVTS erstellt.

Die Erkenntnisse in der Medizin unterliegen laufendem Wandel durch Forschung und klinische Erfahrungen. Der Autor dieses Glossars hat große Sorgfalt darauf verwendet, dass die hier gemachten Angaben (insbesondere zu Therapieverfahren und Arzneimitteln) dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Jedoch können Autor und der Verband IVTS e.V. keine Gewähr für diese Informationen übernehmen.

Literaturreferenzen:

1.   Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl., Urban & Fischer, 2003
2.   Duden, Das Wörterbuch medizinische Fachausdrücke, 6. Aufl., Dudenverlag, 1998
3.   Poeck, Hacke, Neurologie, 12. Auflage, Springer, 2006
4.   Faller, Lang, Medizinische Psychologie und Soziologie, 2. Aufl., Springer, 2006
5.   Reuter, Dictionary of Clinical Medicine, Thieme, 1997
6.   Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 261. Aufl., de Gruyter, 2007
7.   Berlit, Klinische Neurologie, 2. Aufl., Springer, 2006
8.   Murken et al., Humangenetik, 7. Auflage, Thieme,2006
9.   Buselmaier, Humangenetik, 4. Aufl., Springer, 2007
10. Aktories et.al., Pharmakologie und Toxikologie, 10. Aufl., Elsevier, 2009
11. Tölle, Windgassen, Psychiatrie einschließlich Psychotherapie, 15. Aufl., Springer, 2009
12. Rupprecht, Roter Faden Psychiatrie und Psychotherapie, Wiss. Verl.-Ges. Stuttgart, 2006
13. Schünke, Schulte, Schumacher, Prometheus - Kopf und Neuroanatomie, Thieme, 2006
14. Klinke, Pape, Silbernagl, Physiologie, 5. Aufl., Thieme, 2005
15. Schmidt, Lang, Physiologie des Menschen, 30. Aufl. Springer, 2007

 

 



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