Warum gibt es mit der Tourette Gesellschaft Deutschland und
dem InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom, IVTS e.V. zwei
Gesellschaften?
Seit einigen Jahren ist es in Deutschland keine Seltenheit mehr,
dass es eine oder sogar mehrere Organisationen zu einer Erkrankung
gibt.
In den letzten Jahren haben sich die Selbsthilfestrukturen verändert.
Feststellbar ist eine zunehmende diagnosebezogene Ausrichtung
sowie die Gründung neuer Gruppen und -organisationen aus
dem Bereich der seltenen Erkrankungen. Quelle:
www.vdek.com
Die Initiatoren des IVTS e.V. waren von Mai 2006 – Oktober
2007 ein loser Zusammenschluss aus Betroffenen und Angehörigen,
die festgestellt haben, dass es noch nicht ausreichend Hilfsangebote
gibt, die den alltäglichen Umgang mit der Erkrankung erleichtern.
Sei es z. Bsp. bei der Umsetzung des Nachteilsausgleichs in Schulen,
bei der Berufsfindung, am Arbeitsplatz, bei der Erziehung betroffener
Kinder, bei Problemen innerhalb der Familie oder in der Partnerschaft
oder zu Informationen über internationale Forschungsergebnisse
und noch vieles mehr.
Die Vision der Initiatoren war, ein umfassendes Projekt zu erarbeiten,
welches die ungestillten Bedürfnisse der Betroffenen und
Angehörigen abdecken sollte.
Mit diesem Projekt nahmen die Initiatoren 2006 am StartSocial
Wettbewerb teil und wurden unter nahezu 600 Bewerbungen als eines
der 25 besten Projekt-Teams in Deutschland im Bundeskanzleramt
von Angela Merkel ausgezeichnet.
Selbstverständlich war den Initiatoren daran gelegen, dieses
Projekt unter das Dach der seit 1993 bestehenden Tourette Gesellschaft
Deutschland (TGD) zu stellen, zumal sie selbst auch alle Mitglieder
dieser Organisation sind.
Es ist meistens nicht einfach, vorhandene Strukturen und Entwicklungen
mit neuen Ideen aufzubrechen und so gab es auch hier in der Tat
regen Austausch und viele persönliche Gespräche miteinander.
Im Frühjahr 2007 trafen sich der Vorstand der TGD und die
Initiatoren in Frankfurt, um alle Für und Wider der neuen
Angebote und die Möglichkeiten der Integration in die TGD
zu erörtern. Dabei hat der TGD-Vorstand betont, dass die
Satzung der TGD eine Umsetzung der direkten Hilfe für Betroffene
und Angehörige nicht zulässt.
Darüber hinaus hatte der Vorstand der TGD Sorge, diese erweiterten
Angebote könnten nicht dauerhaft geleistet werden, da der
personelle Aufwand dafür sehr hoch und nicht dauerhaft zu
bewältigen sei.
Somit mussten die Initiatoren einen neuen Weg bestreiten und
gründeten notgedrungen Ende Oktober 2007 den Verein InteressenVerband
Tic & Tourette Syndrom, kurz IVTS e.V.
Bei der Ausarbeitung der Satzung wurde explizit darauf geachtet,
Überlappungen mit den Vereinszielen der TGD zu vermeiden.
Der IVTS e.V. unterstützt nicht nur Menschen mit dem Tourette
Syndrom sondern auch jene mit vorübergehenden und chronischen
Tics.
Das Hauptanliegen des IVTS e.V. ist
die direkte und praktische Hilfe für Betroffene und Angehörige,
insbesondere bei aktuellen Problemen, die mit der Symptomatik
in Zusammenhang stehen. Diese Hilfe wird u. a. durch Information,
Beratung, Coaching, Mediation, Workshops und Vermittlung erreicht.
Weitere wichtige Anliegen des Verbandes sind die Stärkung
der Elternkompetenz, die Förderung der Resilienz der Betroffenen,
die Fortbildung von Medizinern und Pädagogen, sowie die Information
über weltweite Forschungsergebnisse in Bezug auf das Tourette-Syndrom
und dessen Komorbiditäten. Eine Voraussetzung für die
Verbreitung der Informationen, Angebote und Kompetenzen sieht
der IVTS in der konsequenten Nutzung von Multiplikatoren und der
Förderung der Selbsthilfe. Daher ist die Vernetzung von Erfahrungs-
und Kompetenzträgern, insbesondere auch in der Selbsthilfe
ein wichtiges Instrument zur Erlangung der IVTS e.V.-Satzungsziele.
Das Hauptanliegen der TGD e.V. ist es,
die allgemeine Öffentlichkeit, die Fachöffentlichkeit
und die Betroffenen über Ursachen, Formen und Folgen der
Krankheit "Gilles de la Tourette-Syndrom" zu informieren
und aufzuklären, sowie zur Verbesserung der Behandlungsmethoden
beizutragen. Der Satzungszweck wird insbesondere durch öffentliche
Vorträge, Informationsveranstaltungen, Teilnahme an Tagungen
und medizinischen Kongressen, Organisation von Jahrestagungen,
Lehrerfortbildungen und durch die Herausgabe von Informationsmaterial
verwirklicht. Durch die Öffentlichkeitsarbeit soll die Isolation
der Betroffenen verringert werden.
Es ist dem Vorstand des IVTS e.V. ein wichtiges Anliegen, dass
zum Einen die Betroffenen und Angehörigen, die Selbsthilfegruppen
als auch die Krankenkassen wissen, dass beide Gesellschaften verschiedene
Ziele verfolgen und umsetzen.
Auf Grund der sich ergänzenden Satzungsziele begrüßt
es der IVTS e.V., wenn Betroffene und Angehörige beide Gesellschaften
fördern, die regionalen Selbsthilfegruppen die Angebote beider
Organisationen in den Gruppen weitergeben und auch beide Gesellschaften
nach außen vertreten.
Nach wie vor sieht der IVTS e.V. die Vorteile einer Fusion beider
Gesellschaften, vielleicht gelingt diese zu einem späteren
Zeitpunkt.
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der Tourette Gesellschaft Deutschland e.V.
