"Der Regenbogen über meinem
Kopf "
In seinem Buch "Der Regenbogen über meinem
Kopf" schildert Andrew Fischer, der selbst seit seinem 6. Lebensjahr
an Tourette erkrankt ist, auf sehr bewegende Weise seine Erfahrungen,
die er als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener mit dem Tourette
machen musste. Das Buch enthält neben freien literarischen auch
viele autobiographische Züge.
Nino, die Hauptperson des Romans leidet an einer
relativ schweren Form des Tourettes, welches sich in motorischen und
vokalen Tics äußert. Außerdem imitiert er immer wieder
andere Personen (Echopraxie), wiederholt deren Worte auch in anderen
Tonarten (Echolalie) und stößt obszöne Schimpfwörter
aus (Koprolalie).
Dies führt bereits in der Grundschule zu massiven
Schwierigkeiten. Nino wird schnell zum Klassenclown abgestempelt, der
nicht still sitzen kann und bringt erfahrene Pädagoginnen zur
Verzweiflung, zumal die Krankheit erst später diagnostiziert wird
und somit einen Namen erhält. Auch in der Familie findet Nino
wenig Verständnis und Rückhalt. Der ältere Bruder findet
Nino immer nur peinlich und würde ihn am liebsten vor seinen Freunden
verstecken und die Mutter, die von den Philippinen stammt, fühlt
sich durch einen Sohn wie Nino gestraft und bringt ihn zu verschiedenen
Geisterheilern, die Nino vom Dämonen befreien sollen. In der Öffentlichkeit
wird Nino immer wieder als „Rotzbengel“ beschimpft, der
schlecht erzogen ist, oder auch als "Behinderter".
Demgegenüber stehen Ninos einzigartige Talente
im sportlichen Bereich (Schwimmen, Turmspringen) und in der Musik.
Nino spielt fantastisch Klavier und später auch Gitarre und Cajon,
wobei er sich vieles autodidaktisch beibringt. Wenn er Klavier spielt,
findet er zu sich selbst, zeigt keine Tics und kann seine Freunde und
Mitmenschen begeistern.
So findet er auch immer wieder Freunde und schließlich
auch eine Freundin, die sein wahres Ich erkennen, ihn mögen und
auch für ihn einstehen. Einer dieser Freunde macht ihm eines Tages
klar, dass so wie das Licht, das von den meisten Menschen nur als farblos
gesehen wird, in Wirklichkeit die Farben des Regenbogens enthält,
auch das Tourette nicht nur seine Tics beinhaltet, sondern auch wunderschöne
Farben und Facetten haben kann. Er hilft Nino, nicht seinen Lebensmut
zu verlieren, und in schwierigen Situationen den Regenbogen über
seinem Kopf zu sehen, so dass Nino schließlich erkennt, dass
es sich lohnt, sein Leben und auch sein Tourette anzuerkennen.
Insgesamt fasziniert das Buch durch die einfühlsame
Schilderung der Gefühle von Nino, wenn sich die Tics aufbauen,
er Ablehnung durch Mitschüler oder andere Mitmenschen verspürt,
oder er durch bestimmte Verhaltensweisen seiner Mitmenschen irritiert
wird. Man möchte Nino häufig einfach in den Arm nehmen und
trösten.
Wir können das Buch nur allen wärmstens
empfehlen, die als Lehrer, Eltern oder Freunde mit Tourette-Betroffenen
zu tun haben und diese besser verstehen wollen.
Wir gratulieren Andrew Fischer zu diesem Buch und
wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute.
Vorstand des IVTS e.V.
Bestellung: Projekte-Verlag
Cornelius GmbH