Was sind Tics?
Charakteristisch für alle Ticstörungen sind so
genannte Tics. Als Tics bezeichnet
man unwillkürliche, plötzlich einsetzende und
wiederholt auftretende Zuckungen oder Lautäußerungen,
die von den Patienten als unvermeidbar empfunden werden,
jedoch zeitweise unterdrückt werden können.
Die motorischen als auch vokalen Tics können
einfach oder komplex auftreten. Einfache
motorische Tics fallen durch schnelle Zuckungen auf. Komplexe
Tics sind in ihrem Ablauf umfangreicher, langsamer und können
beabsichtigt wirken.
Ein häufig auftretender einfacher
motorischer Tic ist beispielsweise das Augenzwinkern.
Während einfache motorische Tics nur eine Muskelgruppe
betreffen, werden bei komplexen motorischen Tics mehrere Muskelgruppen
einbezogen (z. B.: in die Knie gehen oder sich um sich selbst
drehen).
Einfache vokale Tics
sind z. B. Räuspern oder Hüsteln. Zu den komplexen
vokalen Tics zählen u. a. Schreien und Summen. Vocale
Tics können in ihrer Lautstärke sehr unterschiedlich
auftreten.
Den Tics geht oft ein Vorgefühl
voraus. So beschreiben vor allem erwachsene Betroffene eine
Art innere Anspannung, innere Unruhe oder Kribbeln vor dem
Tic. Betroffene Kinder nehmen einfache Tics aufgrund der noch
in der Entwicklung befindlichen eigenen Körperwahrnehmung
selbst oft nicht wahr.
Ticstörungen sind bei den betroffenen
Menschen sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Das heißt, die Tics sind hinsichtlich ihrer Häufigkeit,
Intensität und Lokalisation sehr verschieden. Besonders
beim Tourette-Syndrom gibt es wohl keine zwei Menschen, die
identische Tics haben.
Häufig kommt es vor, dass Tics plötzlich
verschwinden und spontan neue bzw. andere Tics einsetzen.
Manche Betroffene können auch für einen längeren
Zeitraum frei von Tics sein. Oft denken Außenstehende,
aber auch Angehörige, dann erleichtert an eine spontane/natürliche
Heilung.
Bis heute ist noch nicht geklärt, warum
Ticstörungen derartigen Schwankungen
unterliegen.
Viele Betroffene können ihre Tics
für Minuten oder Stunden unterdrücken bzw.
in normal erscheinende Bewegungsabläufe integrieren.
Diese Fähigkeit ist ein Grund, warum die Diagnostik
oftmals schwierig und langwierig ist, weil gerade im Kontakt
mit dem Arzt keine Tics sichtbar sind.
Tics können „ansteckend“
sein. Einige Betroffene übernehmen beim Zusammensein
mit anderen Betroffenen schnell deren Tics. In der Regel hält
diese Tic-Übernahme nur wenige Stunden oder Tage an.
Ticstörungen beginnen häufig im
Vorschulalter und können sich
zwischen dem 10. Lebensjahr und der Pubertät verstärken.
Im Vorschulalter sind ca. 20% aller Kinder - meist vorübergehend
- betroffen.
Bei den meisten Betroffenen vermindern sich
die Tics nach der Pubertät oder verschwinden ganz, können
jedoch im Erwachsenenalter erneut auftreten. Nur in seltenen
Fällen entwickeln Betroffene Tics erstmals im Erwachsenenalter.
Emotionale Belastungen
wie Stress oder heftige emotionale Erregungen wie z. B. Freude,
Angst oder Ärger können die Symptomatik verstärken.
Tics treten oft vermindert auf, wenn sich
der Betroffene einer Aktivität widmet, die seine ganze
Konzentration erfordert.
Menschen mit Ticstörungen sind meistens
ebenso intelligent und leistungsfähig wie gesunde Menschen,
in manchen Dingen sind sie ihnen sogar überlegen. Sie
besitzen häufig eine sehr gute Reaktionsfähigkeit,
ein rasches Auffassungsvermögen und sie sind verbal sehr
schlagfertig.
Oft haben Betroffene ein sehr gutes mathematisches
Verständnis, ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis,
ein gutes Erinnerungsvermögen für Personen und Zahlen
und sind häufig sehr kreativ.
Warum entstehen Tics?
Die Ursache (Ätiologie)
für Tics ist noch nicht geklärt. Die heutigen wissenschaftlichen
Erkenntnisse lassen eine Stoffwechselstörung
im Gehirn vermuten.
Es werden jedoch auch weitere Hypothesen
(Beteiligung des frontalen Kortex, des limbischen Systems,
bzw. Streptokokkeninfektionen) diskutiert, auf die wir hier
nicht näher eingehen werden. Sicher ist jedoch, dass
es sich bei Ticstörungen um eine neurologisch-psychiatrische
Erkrankung handelt.
Die Auffassung, dass es sich dabei um eine
psychische Erkrankung handeln würde, wurde erst in den
60er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgrund der Wirksamkeit
neuroleptischer Therapien widerlegt und durch die Erkenntnis
ersetzt, dass es sich bei dem Tourette-Syndrom um eine organische
Erkrankung des zentralen Nervensystems handelt
Ticstörungen können auch ein Symptom
für andere Erkrankungen sein. Daher muss diagnostisch
abgeklärt werden, ob andere Erkrankungen (Epilepsie,
Meningitis) oder andere psychische Beschwerden, bzw. Verhaltensauffälligkeiten
vorliegen. Der entsprechende Facharzt ist ein Kinder- und
Jugendpsychiater, Psychiater oder Neurologe.
Übersicht möglicher
Tics |