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Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)

Das Tourette Syndrom wird sehr oft von anderen
Erkrankungen (Komobiditäten) begleitet. Unter Komorbidität
wird das gemeinsame Auftreten unterschiedlicher psychiatrischer
Erkrankungen verstanden. Die Behandlung richtet sich nach der psychosozialen
Beeinträchtigung der einzelnen Erkrankungen. Allerdings gibt
es auch ein „reines“ Tourette-Syndrom ohne Komorbidität.
ADS/ADHS
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität
Tourette Syndrom
und Zwänge
Der Leitfaden
(PDF) von Dr. Steffen Moritz und seiner Arbeitsgruppe am UKE-Hamburg
beschreibt eine Selbsthilfetechnik zur Reduktion von Zwangsgedanken
(Assoziationsspaltung)
Quelle: http://www.uke.uni-hamburg.de
Obsessive-compulsive
disorder (engl.) Authoren: I Heyman, D Mataix-Cols, N A Fineberg
Depressionen
Angsstörung und autoaggressive Handlungen
Tourette Syndrom und Zwänge
Das Tourette Syndrom wird häufig von „tourettischen
Zwängen" begleitet. Das Touching, einen Gegenstand oder
eine Person berühren zu müssen, gehört z.B. zu den
"tourettischen Zwängen". Das Touching wird nicht
von übersteigerten Gefühlen wie bei üblichen Zwängen
begleitet bzw. liegen dem Ausführen des Touchings nicht zu
Grunde. Manche Betroffene beschreiben bei dieser Handlung das gleiche
Vorgefühl wie beim Ausführen eines Tics - es handelt sich
um einen Impuls, dem sie nachgeben müssen. Im Gegensatz zur
Zwangserkrankung können Betroffene die „tourettischen
Zwänge“ ebenso wenig beeinflussen wie die Tics und sollten
vom Umfeld genauso angenommen werden wie die Tics.
Das Tourette Syndrom kann aber auch von einer eigenständigen
Zwangserkrankung begleitet werden.
Die Ursachen einer Zwangserkrankung sind zum gegenwärtigen
Zeitpunkt noch nicht vollständig erforscht. Nach dem heutigen
Stand der Wissenschaft kann jedoch von verschiedenen Ursachen ausgegangen
werden, denn sowohl neurobiologische als auch Lern- und Erfahrungsbezogene
Faktoren spielen bei der Entstehung der Zwangsstörung eine
Rolle.
Wann spricht man von einer Zwangserkrankung?
„Normale“ Alltagszwänge kennt
wohl jeder von uns. Vielen Menschen drängt sich nach dem Verlassen
der Wohnung der Gedanke auf, ob der Herd abgeschaltet wurde oder
die Fenster geschlossen wurden. Andere müssen 2-3 mal kontrollieren,
ob sie den Schlüssel auch eingesteckt haben, bevor man die
Türe schliesst. Den meisten Menschen ist es jedoch möglich,
durch „Reproduktion“ vor dem inneren Auge oder beschwichtigen
der inneren Unsicherheit, sich von diesem Gedanken zu lösen.
Auch ein kurzer Kontrollblick oder Kontrollgriff bringt die nötige
Sicherheit. Solche Kontrollmechanismen oder auch ritualisierte Handlungen
werden uns von frühester Kindheit an erzogen. Vieles geschieht
aus einem „inneren Gefühl der Notwendigkeit“ heraus
und macht durchaus Sinn, um Gefahren abzuwenden, Ängste zu
reduzieren und dem Gefühl der Sicherheit Platz einzuräumen.
Insoweit sind die normalen Alltagszwänge durchaus
mit der Zwangserkrankung vergleichbar. Der Unterschied zu „normalen“
Zwängen ist die Ausprägung und die Intensität der
sich immer wieder aufdrängenden Gedanken, verbunden mit dem
fehlenden Gefühl nach Sicherheit.
Angst und Panik macht sich im Inneren des Betroffenen breit. Um
diese Angst oder auch unrealistisch stark empfundenen Gefühle
(wie z.B Ekel) zu beherrschen, muss der Zwangskranke diese ritualisierten
Handlungen immer und immer wieder durchführen, bis sich das
„just right“ Gefühl (genau richtig) einstellt.
Der Zwangskranke ist nicht in der Lage, seine
alltäglichen Zwänge zu kontrollieren. Er erlebt jedoch
die Unsinnigkeit seines Denken und Handelns mit vollem Bewusstsein.
Ein weiteres Kriterium für krankhaftes/zwanghaftes Verhalten
ist die deutliche Beeinträchtigung des Alltags. Bei den Betroffenen
entsteht ein hoher Leidensdruck. Der Zwangskranke ist nicht in der
Lage, Wichtiges voranzustellen, bzw. die zwanghafte Handlung zu
unterbrechen. Der Übergang von „normalen Zwängen“
zu krankhaften Zwängen ist oft fließend und daher von
Außenstehenden oft lange Zeit nicht zu erkennen.
Zwangshandlungen sind
u.a. Waschzwänge, Kontrollzwänge, Wiederholungszwänge,
Zählzwänge, Sammelzwänge ect.
Zwangsgedanken haben häufig
sexuelle, religiöse oder aggressive Inhalte. Oft beruhen sie
auch auf übersteigerten Gefühlen z.B. von Angst, Ekel,
Befürchtungen, Schuldgefühlen.
Die Zwangserkrankung gehört wie das Tourette-Syndrom
zu den chronischen Erkrankungen.
Ebenso wie die Tics können die Zwänge mal mehr oder weniger
intensiv auftreten. Jedoch verschwinden sie in der Regel nicht einfach
wieder. Zwangserkrankungen sind in jedem Fall behandlungsbedürftig.
Behandlung der Zwangserkrankung
In den vergangenen Jahren wurden die Behandlungsmöglichkeiten
sehr verbessert. Lange Zeit galten Zwangserkrankungen als nicht
oder nur äußerst schwer therapierbar. Heute kann die
Symptomatik der Betroffenen auf ein erträgliches Maß
reduziert werden. Eine vollständige Heilung ist jedoch nur
in sehr wenigen Fällen möglich.
Es gibt zwei verschiedene Behandlungsmethoden.
Medikamentöse Variante
Es werden überwiegend selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer
(SSRI) eingesetzt. Die SSRI`s gehören zur Medikamentengruppe
der Antidepressiva. Bei Zwangsgedanken können auch atypische
Neuroleptika zum Einsatz kommen.
Psychotherapeutische Variante
Psychoanalyse
Bei dieser Variante steht das Aufarbeiten unbewusster
Konflikte im Mittelpunkt, welche für die Auslöser der
Zwänge gehalten werden. Der Psychoanalyse wird in der Behandlung
bei Zwangserkrankungen jedoch keine Bedeutsamkeit zugemessen. Oftmals
wird sogar von einer Verstärkung der Symptomatik berichtet.
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie geht die Probleme der Betroffenen
direkt an. Die Betroffenen werden nach langer und intensiver Vorbereitung
bewusst in Zwangsauslösende Situationen (Reizkonfrontation/Expositionstraining)
gebracht, um im Anschluss unter therapeutischer Begleitung die zwanghafte
Handlung möglichst zu stoppen. Zwangsgedanken werden mit einem
Gedankenstopp behandelt. Der Betroffene muss sich dabei im Geiste
seinen schlimmsten Ängsten, Befürchtungen, Vorstellungen
aussetzen und diese auf Kommando unterbrechen. Das Ziel ist das
Verlernen des unerwünscht/übermäßig stark ausgelebten
Verhaltens bzw. das Gewöhnen des Betroffenen an unangenehme
Reize. Den Zwangskranken wird bewusst, dass ihre Befürchtungen
nicht eintreten. Sie lernen ihre überstarken Gefühle auszuhalten.
Im Verlauf der Therapie zieht sich der Therapeut mehr und mehr aus
den Situationen zurück, so dass der Betroffene lernt, seine
Zwänge selbst zu managen. Die Dauer der Verhaltenstherapie
ist sehr unterschiedlich.
Die Verhaltenstherapie hat eine Erfolgsquote von 75%. Langzeitstudien
belegen eine deutliche Verminderung der Symptomatik nach 2-6 Jahren.
Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen
Als Behandlungsmöglichkeit gilt hier die Verhaltenstherapie
als Methode der 1. Wahl. Nur in besonders schweren Fällen wird
die medikamentöse Therapie vorübergehend in Betracht gezogen.
Die betroffenen Kinder versuchen die Familie in ihre Zwänge
einzubinden, was sehr oft zu schwierigen Familienproblemen führt.
Oft können gezielte Veränderungen in der Familieninteraktion
die Zwänge schon spürbar mindern. Auffallend ist, dass
die Zwänge in fremder Umgebung, ohne vertraute Personen, für
eine gewisse Zeit scheinbar kontrolliert werden können. Doch
mit zunehmender Zeit und Vertrauen in die fremde Umgebung bzw. Personen
explodieren die Zwänge.
Die betroffenen Kinder und Jugendlichen sollten
viel gemeinsame, positive Zeit mit ihrer Familie verbringen. Dem
zwanghaften Verhalten sollte möglichst nicht zu viel Aufmerksamkeit
geschenkt werden. Die Familienmitglieder sollten sich nicht in die
Zwänge der betroffenen Kinder/Jugendlichen einbinden lassen
(dies gilt auch für erwachsene Zwangskranke). Bezugspersonen
sollten das Kind nicht beim Durchführen seiner Zwänge
unterstützen, da sich das Zwangsverhalten langfristig stabilisiert
und verfestigt (Abwärtsspirale).
Setzen Sie ihrem Kind freundlich aber bestimmt Grenzen, aber unterliegen
Sie nicht dem Irrtum, das Kind könne seine Zwänge willentlich
steuern oder möchte durch sein Verhalten Aufmerksamkeit erzielen.
Oberstes Gebot : Gelingt es dem Kind, gegen die
Zwänge anzukämpfen, sollte es besonders viel Lob und Zuneigung
erhalten.
Weitere Infos finden Sie auf der Homepage der Deutschen
Zwangsgesellschaft DGZ: www.zwaenge.de.
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