Tic-Störungen und ADHD:
Antworten aus einer weltweiten klinischen Datensammlung
zum Tourette-Syndrom
Neuropsychiatry Clinic, BC Children's Hospital,
Box 141, Vancouver, BC, V6H 3V4, Canada
Eur Child Adolesc Psychiatry. 2007
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um
eine neurologische Erkrankung mit einer häufigen Komorbidität
mit dem ADHD (Attention- deficit-Hyperactivity disorder).
Die Auswirkungen dieses Zusammenhanges werden immer noch
diskutiert.
Mit Hilfe einer TIC-Datenbank, die 6805
Fälle enthält, wurden die klinischen Unterschiede
zwischen Personen mit und ohne ADHD analysiert. Das Vorkommen
von ADHD im Falle von Tourette Syndrom lag bei 55 %, was
innerhalb des Bereiches verschiedener Publikationen liegt.
Wurde bei der Person ein ADHD festgestellt so gab es häufig
auch ein familiäres Vorkommen von ADHD. ADHD stand
außerdem mit einer früheren Diagnose von Tourette
Syndrom in Zusammenhang und außerdem mit einem erhöhten
Vorkommen an einer gestörten Impulskontrolle (Wutausbrüche),
Schlafproblemen, Lernstörungen, Zwangserkrankungen
(OCD), Trotzverhalten, Depressionen, gestörtem Sozialverhalten,
sexuell unangemessenem Verhalten sowie Selbstverletzungen.
Personen mit Anfällen und Koordinationsstörungen
zeigten ebenfalls hohe Raten an ADHD. Angststörungen
kamen jedoch nicht vermehrt vor.
Frühere Daten lassen vermuten, dass
die meisten Verhaltensprobleme beim ADHD mit dem kombinierten
oder dem Hyperaktivitäts-Subtyp des ADHDs in Zusammenhang
stehen. Jede größere Studie mit mehr als 200
Fällen zeigt eine signifikant höhere Rate für
Probleme auf Grund von einer gestörten Impulskontrolle
im Rahmen von ADHD. Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass Personen mit Tourette Syndrom sehr häufig ADHD
sowie komplexe Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen
zeigen.
Klinisch gesehen bestätigen diese
Befunde andere Forschungsergebnisse, die auf die Bedeutung
von ADHD für das Verständnis von Verhaltensauffälligkeiten
hinweisen, die sich im Zusammenhang mit Tourette Syndrom
häufig zeigen. Eine ADHD-Komorbidität sollte daher
bei der Diagnose, der Therapie und dem Training von Tourette
Syndrom-Patienten berücksichtigt werden.