Hypersensitivität der Amygdala als Reaktion
auf emotionale Gesichtsausdrücke bei Tourette-Patienten
Department of Psychiatry and Psychotherapy, RWTH Aachen University,
Aachen, Germany
World J Biol Psychiatry. 2010
Das Tourette-Syndrom wird durch motorische und vokale
Tics sowie einen hohen Grad an Impulsivität und emotionaler Dysregulation
charakterisiert. Bildgebende Befunde deuten auf strukturelle Veränderungen
der Basalganglien, des prefrontalen Cortex und Teilen des limbischen
Systems hin.
Trotzdem ist keine Kopplung zwischen Verhaltens-Symptomen
und den strukturellen Veränderungen der Amygdala bekannt. Ein
Aspekt der täglichen sozialen Interaktionen ist die Wahrnehmung
emotionaler Gesichtsausdrücke, die eng an die Funktion der Amygdala
gekoppelt ist.
Die Autoren untersuchten daher die implizierte Unterscheidung
von sechs emotionalen Gesichtsausdrücken in 19 erwachsenen Tourette-Patienten
mittels fMRT. Im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe zeigten die
Tourette-Patienten eine signifikant höhere Aktivität der
Amygdala, die speziell bei furchtsamen, ängstlichen und neutralen
Ausdrücken analysiert wurden. Die BOLD-Aktivität der linken
Amygdala korrelierte negativ mit den Persönlichkeitszügen
der Extraversion.
Die Autoren werden diese Ergebnisse als ein Ergebnis
von entweder defizitärer frontaler Inhibition auf Grund struktureller
Veränderungen oder als Desynchronisation der Interaktion des cortico-striato-thalamo-corticalen
Netzwerkes innerhalb von Strukturen des limbischen Systems diskutieren.
Die Daten zeigen ein verändertes Muster implizierter Unterscheidungen
von Emotionen und betonen die Notwendigkeit, bei der Wahl zwischen
pharmakologischen und Verhaltenstherapien motorische und nicht-motorische
Symptome des TS zu berücksichtigen.