Atomoxetin: Ein Überblick
zu seiner Anwendung im Rahmen von ADHD bei Kindern und Jugendlichen
Wolters Kluwer Health mid R: Adis, Auckland, New Zealand, an editorial office
of Wolters Kluwer Health, Philadelphia, Pennsylvania, USA
Paediatr Drugs. 2009
Bei Atomoxetin (Strattera(R)) handelt es
sich um einen selektiven Norepinephrin- (Noradrenalin-)
Reuptakehemmer, der nicht als Stimulans klassifiziert wird
und als Indikation eine Anwendung für Patienten mit
ADHD hat. Atomoxetin ist wirksam und wird generell gut vertragen.
Es ist signifikant wirksamer als Placebos und gegenwärtige
Standard-Therapien und unterscheidet sich nicht signifikant
von oder ist nicht schlechter als Methylphenidat. Trotzdem
ist es signifikant weniger wirksam als das Methylphenidat-Präparat
mit anhaltender Freisetzung (OROS(R) Methylphenidat (osmotisch
freigesetztes Methylphenidat)) und gemischte Amphetaminsalze
mit anhaltender Freisetzung.
Atomoxetin kann als einmalige tägliche
Dosis verabreicht werden oder in zwei gleichmäßig
verteilten Gaben. Es hat ein vernachlässigbares Risiko
für Missbrauch und steht in den USA nicht unter Kontrolle.
Atomoxetin ist speziell angeraten für Patienten mit
einem Risiko für Missbrauch oder für solche, die
als Comorbidität Ängste oder Tics aufweisen bzw
solche, die keine unter Aufsicht stehenden Medikamente einnehmen
wollen. Daher gilt Atomoxetin als sinnvolle Therapie für
ADHD bei Kindern und Jugendlichen. Der Wirkmechanismus von
Atomoxetin ist unklar, doch geht man davon aus, dass er
mit der selektiven Hemmung des presynaptischen Norepinephrin-Reuptakes
im präfrontalen Cortex in Verbindung steht. Atomoxetin
zeigt eine hohe Affinität und Selektivität für
Norepinephrin-Transporter jedoch wenig oder keine Affinität
für verschiedene Neurotransmitter-Rezeptoren.
Atomoxetin hat eine nachgewiesene Fähigkeit
zur selektiven Hemmung des Norepinephrin-Uptakes in Menschen
und Tieren und Studien konnten zeigen, dass es vorwiegend
an Bereiche mit einer bekanntermaßen hohen Verteilung
an noradrenerge Neuronen bindet wie dem fronto-corticalen
Subsystem. Atomoxetin wurde bei Pädiatrie-Patienten
mit ADHD in Verbindung gebracht mit statistischem, aber
nicht klinischem Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz.
Während es anfänglich eine Minderung in Bezug
auf die erwartete Größe und das erwartete Gewicht
bei Atomoxetin-Patienten gab, gehen diese Werte nach längerer
Zeit eventuell wieder auf Normalwerte zurück.
Atomoxetin ruft seltener als Methylphenidat
Schlafstörungen bei Kindern mit ADHD hervor. Es wird
schnell absorbiert und zeigt Dosis-abhängige Anstiege
im Plasma. Es unterläuft extensive Biotransformation
die durch den schlechten Metabolismus durch Cytochrom P450
(CYP) 2D6 in einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung
beeinflusst wird. Bei diesen Patienten wird Atomoxetin langsamer
eliminiert als bei anderen. Patienten mit Leberinsuffizienz
sind dem Atomoxetin auch stärker ausgesetzt.
CYP2D6 Inhibitoren wie Paroxetin, werden ebenso mit Veränderungen
der Atomoxetin-Pharmakokinetik in Verbindung gebracht wie
man sie bei schlecht metabolisierenden CYP2D6-Patienten
beobachtet. Ein- oder zweimalige Gaben von Atomoxetin waren
in der kurzzeitigen Therapie von ADHD in Kindern und Jugendlichen
wirksam, wie es in verschiedenen, Placebo-kontrollierten
Studien nachgewiesen werden konnte. Atomoxetin zeigte auch
bei längeren Therapien dieser Patienten Erfolg. Eine
einzelne Gabe am Morgen erwies sich auch am Abend noch als
wirksam und eine Unterbrechung der Atomoxetin-Therapie stand
nicht unmittelbar mit einem Wiederauftreten der Symptomatik
in Verbindung. Die Wirkung zeigte keinen Unterschied zwischen
Kindern und Jugendlichen. Auch Patienten, die noch keine
Stimulantien genommen hatten, reagierten gut auf Atomoxetin.
Atomoxetin unterschied sich nicht signifikant von oder war
schlechter als das Methylphenidat mit sofortiger Freisetzung
bei Kindern und Jugendlichen mit ADHD was die Wirkung anbelangt
und war signifikant wirksamer als gegenwärtige Standardtherapien
(Kombinationen von Medikamenten (ohne Atomoxetin) und Verhaltenstherapien
oder keine Therapien). Trotzdem war Atomoxetin weniger wirksam
als das osmotisch freigesetzte Methylphenidat und Aphetamine
mit verzögerter Freisetzung.
Die Wirksamkeit von Atomoxetin wurde durch
das Vorhandensein von Comorbiditäten nicht beeinflusst
und umgekehrt wurden die Symptome der comorbiden Erkrankungen
durch Atomoxetin nicht beeinflusst oder sogar verbessert.
Der Index für gesundheitsbezogene Lebensqualität
(HR-QOL) scheint in Kurzzeit und Langzeitstudien durch Atomoxetin
positiv beeinflusst zu werden. Atomoxetin wird im Allgemeinen
von Kindern und Jugendlichen mit ADHD gut vertragen. Allgemeine
Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, verminderter
Appetit, Erbrechen, Schläfrigkeit und Übelkeit.
Die Mehrzahl der Nebenwirkungen waren leicht bis mittelmäßig
ausgeprägt. Selten kam es zu schweren Nebenwirkungen.
Nur wenige Patienten beendeten die Therapie auf Grund von
Nebenwirkungen. Ein Absetzen von Atomoxetin schien gut verträglich
zu sein mit nur wenigen Nebenwirkungen. Von extensiv CYP2D6
metabolisierenden Patienten wird Atomoxetin offensichtlich
besser vertragen als von schlecht metabolisierenden. Es
gab geringe Unterschiede zwischen den Nebenwirkungen von
Atomoxetin und Stimulantien, egal ob mit sofortiger oder
verzögerter Freisetzung. Schläfrigkeit tritt eher
bei Atomoxetin auf und Schlaflosigkeit eher nach Einnahme
von Stimulantien.
Eine Black-Box-Warnung in bezug auf Selbstmordgedanken
wurde in die US Beipackzettel aufgenommen, da Meta-Analysen
zeigten, dass Atomoxetin mit einem höheren Risiko für
Selbstmordgedanken in Zusammenhang steht als Placebos. Selten
kann es unter Atomoxetin auch zu schweren Leberschädigungen
kommen. Therapie-Algorithmen die eine Therapie mit Atomoxetin
beinhalten, scheinen gegenüber solchen mit Methylphenidat,
Dexamphetamine und tricyclischen Antidepressiva kosteneffektiv
zu sein.