Behandlung von ADHD mit Atomoxetin
bei gleichzeitigem Tourette-Syndrom
Deutsche Übersetzung:
Division of Neurology, Cincinnati Children's
Hospital Medical Center, and The University of Cincinnati,
Department of Neurology, USA
J Atten Disord. 2008
Behandlung von ADHD mit Atomoxetin bei
gleichzeitigem Tourette-Syndrom: Reduktion der Hemmung im
motorischen Cortex korreliert mit der Besserung der klinischen
Symptomatik
Bei Kindern mit ADHD variiert die klinische
Reaktion auf den selektiven Norepinephrin-Reuptake-Hemmer
Atomoxetin (ATX). Die Autoren gingen der Frage nach, ob
bei Kindern mit Tourette-Syndrom die klinische Reaktion
auf ATX mit Veränderungen in der kurzintervalligen
cortikalen Inhibition (SICI, short interval cortical inhibition)
korreliert. 14 Kinder mit Tourette Syndrom und ADHD im Alter zwischen
8 und 16 Jahren wurden für einen Monat mit ATX therapiert.
Die ADHD wurde bewertet und die SICI wurde zu Beginn der
Therapie und nach einem Monat mittels transcranieller Magnesttimulation
gemessen. Elf Kinder mit einem mittleren ADHD-Score von
31,8 +/- 8,2 beendeten die Studie. Nach einem Monat variierten
die Veränderungen des ADHD-Scores von einer Zunahme
um 4 Punkte bis zu einer Abnahme (Verbesserung) um 24 Punkte
(mittlere Veränderung 9,6+/-9,1). Dabei korrelierten
die Veränderungen bzgl der ADHD-Scores mit einer Reduktion
der SICI (r=4, p=10).
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass eine Therapie mit Atomoxetin für einen Monat in
Kindern mit Tourette Syndrom eine korrelierte Verbesserung der ADHD-Symptomatik
und paradoxerweise eine Reduktion der cortikalen Inhibition
bewirkt. Die durch transcranielle Magnesttimulation hervorgerufene
SICI bei ADHD mit Tourette Syndrom könnte ein Biomarker von Mangel
und kompensatorischen Veränderungen innerhalb des cortikalen
interneuronalen Systems sein. Eine effektive Therapie mit
Atomoxetin vermag die kompensatorischen Prozesse zu verstärken
und somit SICI zu reduzieren.