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Tourette Syndrom
 
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Tourette-Syndrom: Das Ich im Belagerungszustand
Yale Child Study Center, New Haven, CT 06510, USA, 2004

Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um eine neurologische Entwicklungsstörung, die durch motorische und vokale Tics charakterisiert wird. Meist beginnt das Tourette Syndrom vor der Pubertät und Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. In der Regel beginnen die Symptome mit vorübergehenden Attacken einfacher motorischer Tics. Im Alter von 10 Jahren bemerken die meisten Kinder einen nahezu unaufhaltsamen somatosensorischen Drang, der dem Tic vorausgeht. Dieser drang reflektiert gewissermaßen einen Defekt des sensorisch-motorischen Gatings, da er in das Bewusstsein des Kindes eindringt und zur Ursache für Verstörtheit und Bedrängnis wird. Typischerweise folgt dem Tic ein momentanes Gefühl der Erlösung. Über Stunden hinweg erfolgen die Tics anfallsweise mit regelmäßigen Intervallen.

Während Phasen einer emotionalen Erregung oder Müdigkeit nehmen die Tics zu. Tics können sehr komplex werden und erscheinen manchmal zielgerichtet. Für kurze Intervalle können Tics willentlich unterdrückt werden und sie können allein durch ihre Erwähnung hervorgerufen werden. Während Perioden eines zielgerichteten Verhaltens werden Tics weniger, vor allem solche, die eine erhöhte Aufmerksamkeit und eine feine motorische oder vokale Kontrolle erfordern, z.B. bei musikalischen oder athletischen Leistungen. Über den Zeitraum von 6 Monaten nehmen Tics zu und auch wieder ab.

Neue Tics erscheinen, häufig in Reaktion auf neue Ursachen für somatosensorische Irritationen, wie dem Auftauchen eines persistenten vokalen Tics in Form eines Hustens nach einer Erkältung. Über die Jahre erreicht die Tic-Schwere ihre Spitzenwerte im Alter von 8-12 Jahren. Zum Ende der zweiten Lebensdekade sind viele Patienten nahezu Tic-frei. Weniger als 20 % erfahren als Erwachsenen klinisch beeinträchtigende Tics. Tics kommen kaum isoliert vor sondern häufig zusammen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber zahlreichen sensorischen Reizen, Lernschwierigkeiten, ADHD, Zwangserkrankungen, Depressionen, Ängsten und emotionaler Instabilität.

Diese bewirken häufiger eine stärkere Beeinträchtigung als die Tics selber. Durch die Identifizierung spezifischer Gene für die hauptsächlichen Auswirkungen und Fortschritte im Verständnis der neurologischen Kreise für das sensorisch-motorische Gating zusammen mit Einblicken aus postmortem durchgeführten Untersuchungen des Gehirns, Abbildungen des Gehirns und elektrophysiologischen Aufzeichnungen hoffen die Autoren an der Schwelle zu einem besseren Verständnis der Phänomenologie und der Geschichte des Tourette Syndrom zu sein.

 


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