Tourette-Syndrom: Vom Verhalten
zur Biologie
Department of Neurology and Pediatrics, Johns Hopkins University
School of Medicine, Baltimore, MD, USA, Singer HS
Lancet Neurol. 2005
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um
eine chronische neuropsychiatrische Erkrankung, die durch
motorische und vokale Tics charakterisiert wird. Eine Diagnose
basiert auf klinischen Kriterien. Die Häufigkeit liegt
geschätzt bei zwischen 1 und 10 je 1000 Kindern und
jungen Erwachsenen und die Prognostik ist in der Regel günstig.
Die meisten Patienten erfahren Besserungen nach der Pubertät.
Betroffene Personen haben ein erhöhtes Risiko für
comorbide neurologische Erkrankungen insbesondere Verhaltensauffälligkeiten,
deren negative Effekte häufig die von Tics übertreffen.
Trotz Hinweisen, dass es sich beim Tourette
Syndrom um eine vererbte Krankheit handelt, sind die genauen
genetischen Anomalien unbekannt. Faktoren der Umgebung können
eine wichtige Rolle bei der Expression von Tics spielen
und eine poststreptokokkale Autoimmun-Ursache wird postuliert,
ist aber noch nicht beweisen. Abbildungen des Gehirns, neurophysiologische
und post-mortem-Untersuchungen unterstützen die Beteiligung
des cortical-striatal, thalamocorticalen Bereiches aber
die definitiven pathophysiologischen Mechanismen oder Anomalien
in bezug auf Neurotransmitter sind unbekannt.
Neuere Befunde lassen auf eine prefrontale
dopaminerge Anomalie schließen. Traditionelle Neuroleptika
sind bislang die Standard-Therapie für das Tourette
Syndrom doch steigt das Interesse an Arzneimitteln, die
nicht zu den Neuroleptika zählen, an Verhaltenstherapien
und chirurgischen Ansätzen.