Bruchstellen der Translokation
bei zwei nicht verwandten Fällen von Tourette-Syndrom
innerhalb einer Region, die bislang mit der Krankheit verbunden
schien
Crawford FC, Ait-Ghezala G, Morris M, Sutcliffe MJ, Hauser
RA, Silver AA, Mullan MJ.
Department of Psychiatry, University of South Florida,
3515 E. Fletcher Avenue, Tampa, FL 33613, USA
Hum Genet. 2003 Jul
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um
eine komplexe neuropsychiatrische Störung, die durch
motorische und vokale Tics charakterisiert wird. Die Ätiologie
des Tourette Syndroms ist kaum verstanden, doch gibt es
Hinweise auf eine genetische Transmission aus Familien-
und Zwillingsstudien. Man ging bislang von einer komplexen
Vererbung aus, die die Beteiligung mehrerer Gene mit unterschiedlicher
Effektgröße aus.
Die Autoren beschreiben zwei nicht verwandte
Familien, innerhalb derer es zu balancierten chromosomalen
Translokationen (t(6;8) in Individuen mit Tourette Syndrom
kam. In einer dieser Familie ist die Transmission dieser
Translokation mit Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten
assoziiert., in der anderen Familie ist ein Elternteil nicht
betroffen, das andere kann nicht verfolgt werden, d.h. die
Transmission kann nicht aufgezeigt werden und es ist möglich,
dass die Translokation de novo erfolgt ist. Die Bruchstelle
auf Chromosom 8 erfolgt in beiden Familien innerhalb der
q13-Bande, so dass man davon ausgeht, dass ein Gen oder
Gene in dieser Region zum Tourette Syndrom-Phänotyp
beitragen. Vorhandene Kopplungs- und cytogenetische Daten,
die eine Beteiligung von Chromosom 8 in Tourette Syndrom-Familien
und Individuen vermuten lassen, unterstützen diese
Hypothese.
Die Autoren identifizierten mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung
(FISH) zwei YAC-Klone distal und proximal zum Translokationsort
auf dem Chromosom 8. Eine PCR-Amplifikation der genetischen
Marker in dieser Region mit isolierten Chromosomen eines
der Elternteile, gefolgt von einem BAC-Screening mit den
nächsten flankierenden genetischen Markern identifizierte
eine 200-kB BAC. Mittels FISH konnte gezeigt werden, dass
diese in beiden Familien den Bruchpunkt auf Chromosom 8
umfassen. Die Tatsache, dass die Chromosomenbrüche
bei den Tourette Syndrom-Fällen beider Familien innerhalb
einer so kleinen Region des Chromosoms 8 erfolgt, unterstützt
die Hypothese, dass ein Bruch eines Gens oder von Genen
in diesem Teil des Chromosoms 8 zum klinischen Tourette
Syndrom -Phänotyp beiträgt.