Oral verabreichtes Delta 9-tetrahydrocannabinol
verbessert hartnäckiges Gilles de la Tourette-Syndrom bei einem
Heranwachsenden durch Steigerung der intrakortikalen Inhibition: ein
Fallbericht
Department of Psychiatry and Psychotherapy, Georg-August-University
Göttingen, Göttingen, Germany
J Clin Psychopharmacol 2010
Das Ziel der vorliegenden Studie war es, den klinischen
Verlauf einer Therapie mit Delta 9-tetrahydrocannabinol (Delta 9-THC)
bei einem Jungen mit Gilles de la Tourette-Syndrom (TS) und comorbidem
ADHD zu beschreiben und zwar in Beziehung zu den Plasmagehalten an
Delta 9-THC und der intrakortikalen Inhibition wie sie mittels transcranieller
Magnetstimulation gemessen wurde.
Der klinische Verlauf und die neurophysiologischen
Messungen wurden bei einem 15 Jahre alten Jungen mit therapieresistentem
TS plus ADHD durchgeführt, bei dem die Erkrankungen zu schweren
physischen und psychosozialen Beeinträchtigungen führten.
Die Verabreichung von Delta 9-THC verbesserte die Tics beträchtlich,
ohne schwere Nebenwirkungen und erlaubte eine parallele Stimulantien-Therapie
des ADHDs.
Im Zusammenhang mit der Delta9-THC-Therapie nahm
die intrakortikale Inhibition zu, was sich an der verstärkten
kurzintervalligen intrakortikalen Inhibition und der Verlängerung
der kortikalen "Silent Period" zeigte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Delta9-THC
eine erfolgreiche Alternative für Patienten darstellen kann, die
an einem schweren TS leiden, das auf klassische Therapien nicht anspricht.
Speziell bei durch eine Stimulantientherapie verschlimmerten Tics kann
Delta9-THC eine erfolgreiche Therapie von comorbidem ADHD ermöglichen.
Die Steigerung der intrakortikalen Inhibition könnte durch eine
modulierende Freisetzung verschiedener Neurotransmitter wie Dopamin
und gamma-Aminobuttersäure vermittelt werden. Weitere Studien
sind erforderlich um die Befunde zu bekräftigen.