Chirurgische Eingriffe beim Tourette-Syndrom
Mov Disord. 2004
Department of Neurosurgery, Academic Hospital Maastricht,
Maastricht, The Netherlands
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um
eine neuropsychiatrische Erkrankung, die in der frühen
Kindheit beginnt. Sie wird durch Tics charakterisiert und
ist häufig mit Verhaltensauffälligkeiten wie einer
Zwangssymptomatik assoziiert. In den meisten Fällen
kann die Krankheit mit Medikamenten oder Verhaltenstherapie
behandelt werden.
Bei einem geringen Prozentsatz an Patienten
werden die Symptome durch gängige Therapien nicht beeinflusst.
Seit 1955 wurden verschiedene Ansätze gemacht, diese
Patienten neurochirurgisch zu behandeln. Die Zielorte des
Eingriff sind unterschiedlich und beinhalten den Frontallappen
(prefrontale Lobotomie und bimediale frontale Leucotomie),
das limbische System (limbische Leucotomie und vordere Cingulotomie),
den Thalamus und das Cerebellum. Auch kombinierte Ansätze
wurden verfolgt wie eine vordere Cingulotomie plus Infrathalamus-Läsionen.
Die Ergebnisse waren häufig nicht
zufriedenstellend oder es kam zu schweren Nebenwirkungen
wie Hemiplegie (Lähmung) oder Dystonie (Bewegungsstörungen).
Die Autoren erstellten eine Literaturübersicht für
den Zeitraum von 1960-2003. Diese beinhaltet 21 Berichte
und 3 Beschreibungen, die insgesamt 65 Patienten abdecken,
welche sich ablativen Eingriffen auf Grund eines nicht therapierbaren
Tourette Syndroms unterzogen. Der erste Eingriff erfolgte
1962. 1999 wurde die Stimulation des Gehirns (Deep Brain
Stmulation) als neuer Ansatz bei therapieresistentem Tourette
Syndrom eingeführt.
Bislang wurde von 3 Patienten berichtet,
die sich einer bilateralen Stimulation des Thalamus unterzogen.
Bei diesen zeigte der Eingriff einen vielversprechenden
Erfolg auf Tics und Zwangsverhalten.