Deutliche strukturelle Veränderungen
untermauern klinische Phänotypen in Patienten mit Gilles de la
Tourette -Syndrom
Centre d’Investigation Clinique INSERM CIC
9503, Fédération des Maladies du Système Nerveux,
Groupe Hospitalier Pitié-Salpêtrière, AssistancePublique-Hôpitaux
de Paris, Paris, France
Brain. 2010 Dec
Beim Gilles de la Tourette-Syndrom (TS) handelt es
sich um eine in der Kindheit einsetzende neurologische Erkrankung,
die durch Tics charakterisiert wird, welche häufig mit psychiatrischen
Comorbiditäten assoziiert sind. Die klinische Heterogenität
des TS wurde auf Störungen funktionell unterschiedlicher cortico-striato-thalamo-corticaler
Regelkreise zurückgeführt, doch muss dies noch bewiesen werden.
Das Ziel der Studie war es, Strukturelle Korrelate
der Unterschiedlichkeit von Symptomen des TS aufzuzeigen. Die Autoren
untersuchten 60 erwachsene Patienten und 30 hinsichtlich von Alter
und Geschlecht gemischte Kontrollpersonen mit Hilfe von Messungen der
Dicke des Cortex und hochauflösenden T1-gewichteten MRT-Abbildungen
bei 3T. Die Patienten wurden in drei Untergruppen aufgeteilt: (i) einfache
Tics, (ii) einfache und komplexe Tics, und (iii) Tics mit assoziierten
Zwangsstörungen. TS Patienten zeigten eine verminderte Cortex-Dicke
in motorischen, premotorischen, prefrontalen sowie lateral orbitofrontalen
Cortexbereichen. Die Schwere der Tics wurde mit Hilfe der Yale Global
Tic Severity Scala bewertet und korrelierte negativ mit der Dickenabnahme
des Cortex in diesen Regionen sowie in den parietalen und temporalen
Cortices. Das Muster der Dickenabnahme unterschied sich zwischen den
klinischen Patienten-Untergruppen.
Bei Patienten mit einfachen Tics fand sich die cortikale
Dickenabnahme vorwiegend in primär motorischen Regionen. Bei Patienten
mit einfachen und komplexen Tics weitete sich die Dickenabnahme in
größere premotorische, prefrontale und parietale Regionen
aus. Bei Patienten mit comorbiden Zwangserkrankungen zeigte sich ein
Trend zu verminderter Cortex-Dicke im „anterior cingulate Cortex“
und die Morphologie des Hippocampus war verändert. In dieser klinischen
Untergruppe korrelierten die Maße (Scores) auf der Yale-Brown
Obsessive-Compulsive Scala negativ mit der cortikalen Dicke im anterior
cingulate Cortex und positiv in medialen premotorischen Regionen.
Diese Daten unterstützen die Hypothese dass
unterschiedliche Symptomdimensionen beim TS mit Dysfunktionen unterschiedlicher
cortikaler Bereiche assoziiert sind. Sie haben klare Auswirkungen auf
die gegenwärtigen neuroanatomischen Modelle der Krankheit.