Analyse der Cortison-Schwankungen
und der Reaktivität gegenüber Stress in Kindern
mit Tourette-Syndrom
Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, University
of California at Davis, 2825 50th Street, Sacramento, CA
95817, US
Psychoneuroendocrinology. 2008
Das Tourette-Syndrom wird durch motorische
und vokale Tics charakterisiert, die häufig unter Stress
zunehmen. Das System aus Hypothalamus, Hypophyse und Nebenniere,
(HPA-Achse, hypothalamus-pituitary-adrenal), das bei Stress
eine große Rolle spielt, ist daher für das Verständnis
des Tourette Syndroms von großem Interesse.
In medikationsfreien Kindern mit Tourette
Syndrom (Alter 7-13 Jahre, N ) und gesunden Kontrollen (N1)
wurden die Schwankungen der Kortisonwerte über den
Tag gemessen. Speichelproben wurden an drei aufeinanderfolgenden
Tagen genommen. Die Reaktivität des HPA-Systems wurde
bestimmt, indem man die Kortisongehalte nach einem scheinbaren
MRT (Attrappe) und einem echten MRT ermittelte. Die Ergebnisse
der diurnalen Kortisonschwankungen ergaben geringfügig
niedrigere Abendwerte für Tourette Syndrom -Patienten.
Demgegenüber zeigte die Tourette Syndrom-Gruppe höhere
Kortisonwerte als Reaktion auf die Stressbelastung durch
das MRT. Es gab starke negative Korrelationen zwischen Abend-Kortison
und Tic-Schwere und diurnalem Kortison und Ängsten.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass die Kinder mit Tourette Syndrom als Reaktion auf die MRT-Umgebung
höhere Kortisonwerte zeigten, was ein Modell der gesteigerten
Reaktivität des HPA-Systems unterstützt. Die niedrigeren
Abendwerte könnten das Ergebnis eines chronischen Stresses
über den Tag sein. Alternativ könnten die negativen
Assoziationen zwischen Kortison und Ängste und Tics
die biologisch begründeten Angstlösenden Eigenschaften
der Tic-Expression widerspiegeln. Die Ergebnisse zeigen
jedenfalls deutlich eine Beteiligung des kortikoiden HPA-Systems
in der Neuropathologie von Tics.