Die tiefe Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation) ist bei
therapieresistentem Tourette-Syndrom vielversprechend: Ergebnisse
vorgestellt im Rahmen von EFNS
Von Chris Berrie, BRÜSSEL, BELGIEN, 27. August, 2007
Bei der tiefen Hirnstimulation handelt
es sich um eine vielversprechende minimal-invasive Therapie
für Patienten mit therapieresistentem Tourette Syndrom,
wie eine auf dem 11. Kongress der “European Federation
of Neurological Societies (EFNS)” vorgestellte Studie
zeigt.
In letzter Zeit wurde dem Tourette Syndrom viel Aufmerksamkeit
geschenkt, zumal man inzwischen deutlich mehr Aspekte der
Erkrankung versteht als in der Vergangenheit. Man weiß,
dass es in der Regel vor dem 18.-21. Lebensjahr auftritt
und sich in mehreren motorischen und vokalen Tics äußert,
die sich mehrfach am Tag nahezu täglich zeigen können
oder phasenweise über das Jahr verteilt.
Das Tourette Syndrom kann außerdem
von komorbiden Erkrankungen wie sozial nicht angepasstem
verhalten, Eigenverletzungen, Zwangsverhalten und ADHD begleitet
sein. Je nach klinischer Klassifikation erfolgt die Medikation
durch Tic-spezifische und oder ADHD-spezifische bzw. gegen
Zwänge gerichtete Medikamente in Kombination mit Erziehungsmaßnahmen
und unterstützenden Interventionen. Trotzdem wirken
diese Therapien bei manchen Personen nicht oder zeigen nicht
tolerierbare Nebenwirkungen. Diese Patienten stellen die
Kandidaten für mehr invasive Verfahren wie die tiefe
Hirnstimulation insbesondere, wenn sie unter deutlichen
sozialen Beeinträchtigungen leiden.
Von 650 in der Italienischen Tourette-Gesellschaft
geführten Tourette Syndrom-Patienten erfüllen
30 die Kriterien für eine tiefe Hirnstimulation, von
denen 3 die Therapie verweigerten und bei 3 lehnten die
Erziehungspersonen sie ab. Letztendlich beinhaltet die Studie
die Ergebnisse von 22 Patienten, die sich einer Hirnstimulation
unterzogen und länger als 6 Monate danach beobachtet
wurden. Ausschlusskriterien waren schwere Kopfverletzungen,
Läsionen im Gehirn sowie eine Anwendung von Dopamin-Rezeptor-Blockern
vor der Erkennung von Tics sowie bereits implantierte elektrische
Systeme, comorbide Erkrankungen, die einen chirurgischen
Eingriff verhindern sowie psychosoziale Gründe.
Die primären Endpunkte beinhalteten
die Wirksamkeit der Hirnstimulation in Bezug auf das Tourette
Syndrom, die erforderliche Zeit zur Stimulation und gleichzeitige
Medikationen. Target der Stimulation waren :
a) Centromedianus (CM)/parafascicularis (PF)/ventralis oralis
(VO), Nuclei des Thalamus;
b) Globus pallidus internus (GPI) und
c) der Nucleus accumbens (NA).
Die Stimulationsparameter wurden folgendermaßen
gewählt: für eine Amplitude von 2-5 V, eine Impulsbreite
von 90-180 Mikrosekunden und eine Frequenz von 130-180 Hz.
Die Forscher registrierten nach der Stimulation
deutliche Verbesserungen in bezug auf die Schwere der Tics
(Yale Global Tic Severity Scale scores) mit stufenweisen
Verbesserungen der Zwangssymptomatik (Yale-Brown Obsessive-Compulsive
Scale für OCB und State-Trait Anxiety Inventory Score).
Außerdem zeigte sich eine kontinuierliche
Verbesserung der Lebensqualität der Patienten über
die 2 Jahre der Nachsorge. Gleichzeitig konnte die Comedikation
reduziert werden: 23% brauchten keine Medikamente mehr und
bei 73% konnte die Medikation um 50-75% reduziert werden.
Lediglich bei einem Patienten konnte die Medikation nicht
gesenkt werden.
chlussfolgernd lässt sich sagen, dass
sich nur geringe Nebenwirkungen zeigten, so dass die Stimulation
als gut, sicher und vielversprechend für das Tourette
Syndrom bewerten lässt.