Untersuchungen des dopaminergen
Systems beim Tourette-Syndrom mit Hilfe von 99m.Tc-TRODAT-1/123.I-IBZM
SPECT
Department of Neurology, College of Medicine, National
Cheng Kung University Taiwan
Psychiatry Res. 2008
Die gute Wirkungsweise von Medikamenten,
die die Dopamin-Ressourcen mindern sowie Dopamin-Rezeptor-Antagonisten
lassen eine dopaminergen Hyperaktivität beim Tourette-Syndrom
vermuten.
In der vorliegenden Fallstudie mit 10 Tourette
Syndrom-Patienten und 15 altersgemischten Kontrollen bewerteten
die Autoren die präsynaptische und posstynaptische
Dopamin-Funktion im Striatum (Hirnregion) mit Hilfe der
99m.Tc-TRODAT-1/123.I-IBZM SPECT (nuklearmedizinisches Diagnoseverfahren
mit unterschiedlichen radioaktiven Tracern). Außerdem
analysierten sie die Korrelationen zwischen den Bindungsstellen
des Dopamin-Transporter (DAT)/D2-Rezeptors und die Schwere
von Tics. Die Patienten 1-5 waren zuvor mit Haloperidol
behandelt worden und waren nun seit wenigstens 3 Monaten
vor der SPECT-Untersuchung ohne Medikation. Die Patienten
6-10 hatten keine Medikamente genommen.
Die Autoren fanden in bezug auf die Bindungsstellen
des DAT- und D2-Rezeptors keine Unterschiede zwischen Tourette Syndrom -Patienten
und gesunden Kontrollen. Sie konnten auch keine Assoziation
zwischen den Bindungsstellen des DAT- und D2-Rezeptors im
Striatum und der Tic-Stärke beobachten.
Die Befunde liefern keinen direkten Hinweis
auf ein anomales Vorhandensein von DAT- oder D2-Rezeptoren
beim Tourette Syndrom. Funktionelle Anomalien des dopaminergen
Systems, d.h. Veränderungen in bezug auf die Synapsen-Freisetzung
von endogenem Dopamin können nicht ausgeschlossen werden.
Anm. d.. Übers:
Von post mortem Untersuchungen, Tierversuchen und
klinischen Studien ist der Zusammenhang zwischen der dopaminergen
Neurotransmission und Bewegungsstörungen (insbesondere
Parkinson-Syndromen) bekannt.
Mit SPECT können unterschiedliche
funktionelle Aspekte der dopaminergen Neurotransmission
in vivo dargestellt werden.
Derzeit stehen zwei Aspekte der dopaminergen Neurotransmission
im Vordergrund von SPECT Untersuchungen: der präsynaptische
Dopamintransporter (DAT) und der postynaptische Dopamin-D2-Rezeptorstatus.
In der vergangenen Dekade haben sich zahlreiche
Untersuchungen mit der Beurteilung des postsynaptischen
Dopamin-Rezeptor-Status mittels SPECT beschäftigt.
Mit molekularbiologischen Methoden wurden bisher 5 verschiedene
Dopaminrezeptoren identifiziert, die vereinfacht zu zwei
Gruppen, den D1-artigen Rezeptoren (D1, D5) und D2-artigen
Rezeptoren (D2, D3 und D4) zusammengefasst werden. Während
über die Darstellung der D1-artigen Rezeptoren kaum
(klinisch relevante) Berichte vorliegen, ist das D2-Rezeptor-System
weit umfassender untersucht.