Eine Entwirrung der Effekte von Tourette-Syndrom
und ADHS auf kognitive und Verhaltens-Phänotypen
Brain Dev. 2007 Feb
Section of Child Neuropsychiatry, Department of Pediatrics
University of Catania, Italy
Achtzig Kinder und Jugendliche (62 männlich,
18 weiblich) (Alter 6-16 Jahre) nahmen an der vorliegenden
Studie teil, wobei sie in vier Gruppen zu jeweils 20 aufgeteilt
waren: Nur Tourette-Syndrom, nur ADHS, Tourette Syndrom
und ADHS und Kontrollen. Die Altersverteilung unterschied
sich in den einzelnen Gruppen kaum. Die einzelnen Fälle
(nur Tourette Syndrom, nur ADHS und Tourette Syndrom+ADHS)
unterschieden sich bezüglich des Verhaltens deutlich
von den Kontrollen. Auch gab es Unterschiede zwischen den
einzelnen Gruppen wobei die Teilnehmer der Gruppe „nur
Tourette Syndrom“ in bezug auf ihr Verhalten und die
kognitiven Fähigkeiten noch am ehesten den Kontrollen
ähnelten. Eine Diagnose von ADHS und Tourette Syndrom+ADHS
war eher mit nicht angepasstem verhalten und kognitiven
Schwierigkeiten assoziiert.
Im Hinblick auf affektbetonte Symptome
und Ängste unterschieden sich die drei klinischen Gruppen
nicht groß voneinander, doch war jede von ihnen stärker
betroffen als die Kontrollen. Ein Ergebnis der Studie, das
sich von früheren Studien unterscheidet ist, dass nur-Tourette
Syndrom-Patienten von den Eltern stärker negativ (delinquent)
beurteilt wurden als dies im Falle der Kontrollen der Fall
war. Mögliche Ursachen hierfür werden diskutiert.
Aufsässiges Verhalten (oppositional
defiant disorder (ODD)) wurde in den einzelnen Gruppen bei
2 oder 3 Personen beobachtet, doch wurde auf Grund der geringen
Zahl keine Statistik erstellt.
Familien-Anamnesen entsprachen der Tatsache,
dass es sich beim Tourette Syndrom und ADHS um genetische
Erkrankungen handelt, bei denen es zu Überlappungen
kommen kann. Die Hypothese eines additiven Effektes wird
diskutiert.