Fragiles X Syndrom im Zusammenhang mit Tic-Störungen.
Mov Disord. 2008
Sobell Department of Motor Neuroscience and Movement
Disorders, Institute of Neurology, Queen Square, London, United Kingdom.
Andere Bewegungsstörungen als die spät
einsetzende Tremor-Ataxie scheinen im Zusammenhang mit dem fragilen
X-Syndrom, der am häufigsten identifizierbaren Ursache für
vererbte mentale Entwicklungsverzögerung, selten zu sein. Die
Autoren beschreiben fünf männliche Patienten aus drei nicht
miteinander verwandten Familien mit fragilem X-Syndrom, die motorische
und vokale Tics zeigten. Klinisch erfüllten 4 Patienten die diagnostischen
Kriterien eines Tourette-Syndroms, während bei einem Patienten
eine im Erwachsenenalter einsetzende Tic-Störung diagnostiziert
wurde
Bei sämtlichen Patienten erfolgte das Einsetzen
der Tics später als im Falle eines typischen Tourette Syndrom.
Drei Patienten zeigten untypische Tics und zwei Patienten berichteten
von einer Zu-und Abnahme der Tic-Intensität über die Zeit.
Vier der 5 Patienten zeigten klinische Anzeichen, die typisch für
ein fragiles X-Syndrom sind: dazu gehörten körperliche Symptome,
Lernschwierigkeiten und Sprachprobleme, die einer besonderen Therapie
bedurften. Sämtliche Patienten wiesen Komorbiditäten auf,
die TS und fragilem X-Syndrom gemeinsam sind. Die Autoren schlagen
vor, dass man bei einem TS mit Komorbiditäten und spät einsetzen
atypischer Tics auch an das fragile X-Syndrom denken sollte, speziell
wenn Lernschwierigkeiten und atypische körperliche Merkmale vorhanden
sind.
Anm. D. Übers: Fragiles-X-Syndrom ist eine
der häufigsten Ursachen erblicher kognitiver Behinderung des Menschen.
Ursache hierfür ist eine genetische Veränderung auf dem X-Chromosom,
eine Mutation des Gens FMR1 (fragile X mental retardation 1). Das Fragile
X-Syndrom wird nach seinen Erstbeschreibern auch als Martin-Bell-Syndrom
(MBS) oder Marker-X-Syndrom sowie in der abgekürzten Form als
fra(X)-Syndrom bezeichnet. Die Behinderung kann in ihrer Schwere stark
variieren und von leichten Lernschwierigkeiten bis zu extremer kognitiver
Beeinträchtigung reichen. Der Name leitet sich aus der Beobachtung
von Zellkulturen betroffener Menschen ab. Unter entsprechenden Kulturbedingungen
kann am X-Chromosom in einem Teil der Zellen eine Bruchstelle, der
sogenannte fragile Bereich, nachgewiesen werden.