Analyse ausgewählter Neurotransmitter-Konzentrationen
im Serum von Patienten mit Tourette-Syndrom
Katedra i Klinika Neurologii, Warszawski Uniwersytet Medyczny
Neurol Neurochir Pol. 2010
Metabolische Störungen bei anregenden und hemmenden
Neurotransmittern spielen bei der Pathogenese des Tourette-Syndroms
wahrscheinlich eine Rolle. Das Ziel der vorliegenden Studie
war es, die Serumkonzentrationen an Glutaminsäure,
Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und Glycin bei Tourette-Patienten
zu bestimmen und mögliche Korrelationen zwischen Neurotransmitter-Gehalten,
dem Alter bei Beginn des Tourette Syndroms, dem aktuellen
Alter, dem Geschlecht, der Tic-Schwere, der Dauer der Krankheit
und anderen psychiatrischen Erkrankungen zu erstellen. 67
Tourette Syndrom -Patienten im Alter von 16-59 Jahren und
57 gesunde Kontrollen im Alter von 19-37 Jahren nahmen an
der Studie teil.
Informationen zum Verlauf der Krankheit
und sonstige Daten wurden mit Hilfe eines kleinen Fragebogens
gesammelt. 67 % der Patienten nahmen zur Zeit der Untersuchung
keine Medikamente und der Rest hatte die Medikation vor
der Untersuchung für 24 h unterbrochen. Die Blutproben
wurden nach einer Fastendauer von 12 h genommen und mittels
HPLC analysiert. Es zeigte sich, dass die TS-Gruppe höhere
Gehalte an Glutaminsäure und niedrigere GABA-Gehalte
aufwies als die Kontrollen. Die Glycin-Konzentrationen waren
vergleichbar. Zwischen Patienten mit und ohne Medikation
zeigten sich keine Unterschiede bezüglich der Konzentration
an Neurotransmittern. Patienten mit komorbider Zwangserkrankung
und schweren Tics zeigten höhere Glutamatgehalte. Die
Glutamatkonzentration korrelierte positiv mit der Anzahl
komorbider Erkrankungen während die GABA-Konzentrationen
bei Patienten mit Komorbiditäten negativ mit der Anzahl
an Verhaltensstörungen korrelierten. Es gab keine Korrelation
zwischen analysierten Neurochemikalien und Alter, Geschlecht
oder Dauer der Krankheit.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass das Ungleichgewicht zwischen anregenden und inhibitorischen
Systemen im Gehirn von Tourette Syndroms-Patienten durch
die Veränderungen an Glutamat- und GABA-Gehalten im
Serum reflektiert werden. Bei Glutamat und GABA könnte
es sich somit um Biomarker der Krankheit handeln und hohe
Konzentrationen an Glutamat könnten auf einen schwereren
Verlauf des Tourette Syndrom hindeuten.