Gluten-Ataxie und posTourette Syndrom treptokokkale
Syndrome des zentralen Nervensystems: Neu enstehende Immunvermittelte
Erkrankungen des zentralen Nervensystems?
Wills A, Dale R, Giovannoni G.
Institute of Neurology, Queen Square, London WC1 3BG, United
Kingdom
Es gibt ein neues Konzept, dass Dysfunktionen
des zentralen Nervensystems durch anomale Immunreaktionen
ausgelöst werden können, die durch exogene Antigene
wie das Nahrungsmittelallergen Gluten oder eine Streptokokkeninfektion,
getriggert wurden. Die Hypothese einer Gluten-empfindlichen
Ataxie ist bislang nicht bewiesen jedoch einer Überlegung
wert. Daten, die diese Hypothese unterstützen, müssen
sorgfältig recherchiert werden, bevor Therapieempfehlungen
gegeben werden können.
Die Idee, dass Anti-Gliadin Antikörper
im Serum per se den Begriff „Glutenempfindlichkeit
„ rechtfertigen, ist von Bedeutung, da der Umstand
für Patienten mit einer Ataxie, die mit anti-Gliadin
Antikörpern assoziiert ist, Therapiemöglichkeiten
wie eine Gluten-freie Ernährung eröffnet. Eine
Dysfunktion der Basalganglien nach Streptokokken-Infektion
hat verschiedene Symptome, die alle zu einem relativ gut
definierten Syndrom oder Symptomkomplex gehören.
Anti-Basalganglien-Antikörper, die mit dem serologischen
Nachweis häufiger Streptokokken-Infektionen einhergehen,
sind ein potenzieller diagnostischer Marker für diese
Gruppe an Erkrankungen, die Chorea Huntington als Prototyp
beinhalten.
In neuerer Zeit wurden auch Patienten mit
pädiatrischen neuropsychiatrischen Autoimmunerkrankungen
im Zusammenhang mit Streptokokken-Infektionen, Tourette-Syndrom,
Zwangserkrankungen und anderen Bewegungsstörungen im
Zusammenhang mit anti-Basalganglien-Antikörpern beschrieben.
Die offensichtliche Überlappung zwischen dem klinischen
Phänotyp eines Chorea Huntington-Syndroms, pädiatrischen
neuropsychiatrische Autoimmunerkrankungen, Tourette-Syndrom
und Zwangserkrankungen lässt vermuten, dass es sich
um eine Einheit von Krankheiten handelt.
Die gegenwärtige Arbeitshypothese
ist, dass Antikörper, die als Reaktion auf eine Streptokokkeninfektion
induziert werden, mit Antigenen der Basalganglien kreuzreagieren
und so zu einer Dysfunktion der Basalganglien führen.
Obwohl der experimentelle Nachweis unvollständig
ist, gibt es genügend Hinweise für die Richtigkeit
der Hypothese einer immunvermittelten Dysfunktion der Basalganglien
als klinische Einheit. Dies hat bedeutende Auswirkungen
auf die Diagnose und Therapie von Patienten mit diesen Erkrankungen.
Letztere beinhalten eine Antibiotika-Prophylaxe und immunmodulierende
Therapien. Anders als bei der Diagnose und Vorgehensweise
im falle von Chorea Huntington gibt es bzgl der anderen
angeführten Erkrankungen bislang keinen Konsens.