Erläuterungen zum Tourette-Syndrom:
Perspektiven von Hypnose und Selbstregulation
Vancouver Coastal Health Research Institute
Canada
American Journal of Clinical Hypnosis 2007
Die biologische Psychiatrie zieht in der
Regel eine medikamentöse Behandlung der nicht pharmakologischen
vor und gibt damit die Art vor, in der Kliniker das Tourette-Syndrom
behandeln und verstehen. Medikamentöse Therapien des
Tourette Syndrom haben jedoch Nebenwirkungen und können für
das zentrale Nervensystem toxisch sein. Außerdem sind
gängige pharmakologische Ansätze häufig nicht
wirksam und bewirken höchstens eine Reduktion der Tic-Symptomatik.
In dem vorliegenden Bericht beschreiben
die Autoren, wie nicht pharmakologische Therapieansätze
wie die fokussierte Aufmerksamkeit die Symptomatik des Tourette
Syndrom modulieren, reduzieren oder sogar völlig eliminieren
können und die zugrunde liegenden neurologischen Mechanismen
zu erklären vermögen. Indem sie zeigen, dass die
Symptome des Tourette Syndrom für selbst regulierende
Interventionen wie Hypnose empfänglich sind, schlagen
die Autoren vor, dass ein Aufmerksamkeits-Training angewendet
werden kann, um die Krankheit zu therapieren und sie besser
zu verstehen.
Zusammenfassung des Artikels durch den
Übers:
Außer einigen Fällen, in denen die Tourette Syndrom
-Symptomatik von Patienten durch Hypnosesitzungen in Kombination
mit einer Verhaltenstherapie deutlich verbessert, wenn nicht
sogar aufgehoben werden konnte, führen die Autoren
Beispiele für eine kombinierte Therapie aus Verhaltenstherapie
und Eigenhypnose an. Diese Kombination wurde bereits 1988
an 3 jugendlichen Tourette Syndrom-Patienten im Alter von
7, 8 und 12 Jahren erprobt, die an multiplen motorischen
und vokalen Tics litten. Zunächst wurden die Tics sehr
genau charakterisiert, wann und wie sie auftreten und welche
Muskelgruppen sie betreffen. In einer ersten Phase mussten
sich die Jugendlichen auf einen Tic festlegen, den sie zuerst
loswerden wollten, diesen dann ganz genau beobachten und
dann eine Art Eigenhypnose zur Muskelentspannung lernen.
In einer zweiten Phase ging es darum, die
dem Tic vorausgehende Symptomatik (Druck) zu erkennen und
zu lernen, diesem Druck und dadurch der Entstehung des Tics
durch eine kompetitive Betätigung anderer Muskeln entgegenzuwirken.
Die Jugendlichen konnten schließlich entscheiden,
ob eine Selbsthypnose oder diese Umkehr des Verhaltens durch
Anspannung eines kompetitiven Muskels ihnen mehr zur Vermeidung
von Tics half.
Alle drei Patienten erfuhren eine deutliche
Verminderung ihrer Tic-Symptomatik, auch wenn dies zum Teil
erst nach längeren Therapiezeiten (bis zu 1 Jahr) deutlich
wurde.