Erhöhte Serumgehalte an Interleukin-12
und Tumor-Nekrosefaktor-alpha beim Tourette-Syndrom
Leckman JF, Kattsovich L, Kawikova I, Lin
H, Zhang H, Kronig H, Morshed S, Parveen S, Grantz H, Lombroso
PJ, King RA.
Child Study Center, Yale University School of Medicine,
New Haven, CT 06520-7900, USA
Biol Psychiatry. 2005
Die Hypothese, dass allgemeine Infektionen
den Beginn und den Verlauf von Tic-Erkrankungen und früh
einsetzenden Zwangserkrankungen (OCD) bei Kindern beeinflussen
können, steht seit Längerem. Bislang haben sich
die meisten Untersuchungen auf die Hypothese einer molekularen
Mimikry und humoraler Immunantworten konzentriert. Die vorliegende
Studie erfolgte, um der Frage nachzugehen, ob Cytokingehalte
in Zusammenhang mit der angeborenen Immunreaktion oder der
T-Zell-Aktivierung unter Ausgangsbedingungen oder während
Perioden einer Symptomverschlechterung verändert sind.
46 Patienten mit Tourette Syndrom und/oder OCD (Alter 7-17 Jahre) und
31 Kontrollen nahmen an der Studie teil. Eine Bewertung
der klinischen Symptome und eine Serumentnahme erfolgte
regelmäßig und die Serumkonzentrationen an 10
Cytokinen wurden wiederholt bestimmt.
Es zeigte sich, dass die Ausgangskonzentrationen
an Interleukin-12 und Tumor-Neurosefaktor-Alpha (TNF alpha)
in Patienten mit Tourette Syndrom und/oder OCD im Vergleich zu Kontrollen
erhöht waren. Beide Marker stiegen in Phasen einer
Symptomverschlechterung weiter an. Diese Befunde vermuten,
dass eine Symptomverschlechterung mit einem entzündlichen
Prozess assoziiert ist, der durch systemische oder lokale
Synthesen von Cytokinen vermehrt wird, die das zentrale
Nervensystem involvieren könnten.
Die Autoren sind der Ansicht, dass in der
Zukunft weitere Studien mit Kindern mit neuropsychiatrischen
Erkrankungen die Beteiligung der angeborenen und T-Zell-Immunität
überprüfen sollten.