Diagnostik und behandlung des Tourette-Syndrom in Kindern
Yale University School of Medicine, Child Study Center,
PO Box 207900, New Haven, USA
Dieser Aufatz will eine Übersicht
zum Thema Tourette-Syndrom in Kindern liefern mit einem
speziellen Schwerpunkt auf medikamentösen Therapien.
Trotz des zunehmenden Wissens der neurophysiologischen Basis
von Tics im Zusammenhang mit dem Tourette Syndrom gibt es
bislang keine idealen universalen Behandlungen. Betroffene
Kinder können die unterschiedlichsten Phänotypen
zeigen, die fallspezifisch behandelt werden müssen,
wobei gut informierte Eltern und Patienten zusammen mit
dem Arzt Risiken und Nutzen der jeweiligen Therapie abwägen
müssen.
Der Tourette Syndrom-Patienten behandelnde Arzt wird
mit einem großen Spektrum in bezug auf Tic-Schwere,
Komorbiditäten und Reaktion auf Therapien konfrontiert.
Die Hauptaufgabe für ihn ist, die
hauptsächlichen Ursachen für Beeinträchtigungen
zu finden und Prioritäten in bezug auf die Therapie
zu setzen. Eine allgemeine Therapie beinhaltet Erziehung,
psychosoziale Aspekte und Interventionen in bezug auf die
Schule sowie die Wahl des richtigen Medikaments aus einer
großen Gruppe pharmakologischer Substanzen.
Entscheidungen hinsichtlich der Therapie
sollten in Zusammenarbeit von Patient, Familie und Arzt
getroffen werden nach einer sorgfältigen Diskussion
der Schwere der Symptome, des gewünschten Ergebnisses,
der psychosozialen Beeinträchtigung, der realistischen
Erwartungen an die Therapie sowie möglicher Nebenwirkungen.
Auf Grund des wechselnden Verlaufs der
Tic-Symptomatik beim Tourette Syndrom beobachten die Ärzte
die Patienten oft über Wochen, bevor sie eine Therapie
beginnen basierend auf der Annahme, dass die Tics auch im
günstigsten Fall so schwer sind, dass eine Therapie
wünschenswert wäre.
Die Autoren empfehlen, bei Kindern, bei
denen eine Pharmakotherapie wünschenswert ist, mit
Guanfacine (Estulic) oder Clonidin (Catapresan) zu beginnen,
speziell wenn Hyperaktivität vorliegt.
Die nächste Wahl wäre ein niedrigdosiertes
Neuroleptikum. Geduld und eine genaue Kontrolle der Wirksamkeit
und der Nebenwirkungen sind erforderlich, sobald eine Therapie
begonnen wurde um ein akzeptables Gleichgewicht zwischen
Tic-Steuerung und Nebenwirkungen zu erreichen. Die Behandlungen
sollten gezielt auf spezifische Symptome und Komorbiditäten
wie ADHD oder Zwangsverhalten gerichtet sein.
Ärzte tendieren dazu, erst die Komorbiditäten
zu therapieren, da sie häufig die meisten Schwierigkeiten
verursachen. Manchmal führt die erfolgreiche Therapie
von Komorbiditäten auch zu einer Besserung der Tic-Symptomatik.