Gesteigerte kognitive Kontrolle bei Tourette-Syndrom-Patienten
während der Erfüllung nicht vorhersagbarer Aufgaben
Deutsche Übersetzung:
Division of Psychiatry, Queen’s Medical
Centre, The University of Nottingham, Nottingham, NG7 2RD,
UK
Exp Brain Res. 2007
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um
eine entwicklungsbedingte neurologische Erkrankung die durch
das Vorkommen multipler motorischer und eines oder mehrerer
vokaler Tics charakterisiert ist. Tics sind stereotype repetitive
Verhaltensweisen, die in Bezug auf Art, Komplexität
und Schwere variieren können.
Das Tourette Syndrom wurde mit gestörten
kognitiven Steuerungsprozessen in Verbindung gebracht, doch
konnte eine neuere Studie von Mueller et al. Zeigen, dass
junge Menschen mit Tourette Syndrom, obwohl sie chronische
motorische und vokale Tics zeigten, trotzdem bei einer Aufgabe,
die höchste cognitive Kontrolle erforderte (Umschalten
von einer pro-saccade- (hin zu) zu einer anti-saccade- (weg
von) Reaktion, auf einen visuellen Reiz) deutlich besser
abschnitten, als eine Gruppe altersgemischter Kontrollen.
Da vorhersagbare Task-Sequenzen erlauben, dass Task-bezogene
cognitive Prozesse vor der Zielreizpräsentation eingeleitet
werden, prüften die Autoren, ob die bessere Leistung
der Tourette Syndrom-Gruppe wiederholt werden konnte, wenn
die Task-Sequenzen nicht vorhersehbar waren.
Die Ergebnisse bestätigten, dass beide
Gruppen, Tourette Syndrom-Patienten und Kontrollen) im gleichen
Ausmaß davon profitierten, wenn es eine Vorinformation
bezüglich der Saccade-bezogenen Aufgabe (pro-saccade
vs anti-saccade) gibt. Trotzdem zeigte die Kontrollgruppe
im Gegensatz zur Tourette Syndrom-Gruppe eine deutliche
Abnahme der Leistungsfähigkeit bei Versuchen mit „Task-Switch“
(Umschalten der Aufgabe) je nach Wiederholung der Aufgabe.
Zusammenfassend schließen die Autoren daraus, dass
sich frühere Beobachtungen bestätigen, dass Personen
mit Tourette Syndrom paradoxerweise ein höheres Ausmaß
an cognitiver Kontrolle zeigen als gesunde Kontrollen.