Veränderte Konnektivität
in Individuen mit Tourette-Syndrom
Plessen KJ, Wentzel-Larsen T, Hugdahl K, Feineigle P, Klein
J, Staib LH, Leckman JF, Bansal R, Peterson BS.
New York State Psychiatric Institute, 1051 Riverside Dr.,
Unit 74, New York, NY 10032, USA
Am J Psychiatry. 2004
Beim Corpus callosum handelt es sich um
die Haupt-Kommissur, die die Hemisphären des Gehirns
miteinander verbinden. Erste Befunde lassen eine Beteiligung
des Corpus callosum in der Pathophysiologie des Tourette-Syndroms
vermuten. Die Autoren bewerteten Größe und Konnektivität
über die Hemisphären des Corpus callosums in Patienten
mit Tourette Syndrom. Die Größe des Corpus callosums
wurde mittels hochauflösender Kernspintomographie ermittelt
und in einer Querschnitts-Studie mit 158 Patienten mit Tourette
Syndrom und 121 gesunden Vergleichsprobanden (Alter 5-65
Jahre) verglichen.
Im Kontext eines wachsenden mittsagittalen
Corpus-callosum-Bereiches von der Kindheit bis zum Alter
von 30 Jahren wiesen Kinder mit Tourette Syndrom eine geringere
Größe des Corpus callosums auf, während
Erwachsene mit Tourette Syndrom im Durchschnitt ein größeres
Corpus callosum aufwiesen. Dabei korrelierte die Größe
des Corpus callosums positiv mit der Schwere der Tics. Außerdem
korrelierte die Größe des Corpus callosums umgekehrt
mit den dorsolateralen prefrontalen und orbitofrontalen
Cortex-Volumina in Tourette Syndrom-Patienten und in Vergleichspersonen,
doch war die Größe der Korrelation in Tourette
Syndrom-Patienten bedeutender. Medikationen und comorbide
Erkrankungen zeigten keinen nennenswerten Einfluss auf die
Befunde.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass in Patienten mit Tourette Syndrom eine neurale Plastizität
zu dem kleineren Corpus callosum beitragen kann, welche
wiederum neuronale Verbindungen zwischen den Hemisphären
begrenzt und den Input für cortikale inhibitorische
Interneurone innerhalb der prefrontalen Cortexbereiche reduziert.
Dieser reduzierte inhibitorische Input steigert wiederum
die prefrontale Erregung, was sich auf die Kontrolle der
Tics auswirkt und zur cortikalen Hyper-Erregbarkeit beiträgt,
die in Tourette Syndrom-Patienten berichtet wurde.