Koprophänomene beim Tourette-Syndrom
University of British Columbia, Vancouver, BC, Canada,
USA
Dev Med Child Neurol. 2009
Das Ziel der beschreibenden Studie war
es, das Vorkommen und die Zusammenhänge von Koprophänomenen
(unfreiwillige Expression von gesellschaftlich nicht akzeptierbaren
Wörtern oder Gesten) in Individuen mit Tourette-Syndrom
zu analysieren.
Daten der Teilnehmer wurden der Datenbank
des Internationalen Tourette-Syndrom-Konsortiums entnommen
(Tourette Syndrome International Database Consortium). Ein
spezieller Fragebogen zur Datenerfassung wurde für
eine Untereinheit von 597 neuen Patienten mit TS von 15
Stellen in 7 Ländern vervollständigt.
Zur Koprolalie kam es irgendwann im Leben
bei 19,3 % der Männer, und 14.6% der Frauen und zur
Kopropraxie bei 5.9% der Männer und 4.9% der Frauen.
Koprolalie war dreimal so häufig wie Kopropraxie, mit
einem durchschnittlichen Einsetzen im Alter von 11 Jahren,
5 Jahre nach Beginn der Tics. Bei 11 % der Patienten mit
Koprolalie und 12 % derer mit Kopropraxie gehörten
diese Koprophänomene zu den ersten Symptomen des TS.
Das Einsetzen von Tics, Koprophänomenen, das Riechen
an Nicht-Nahrungsmitteln sowie das Spucken standen in engem
Zusammenhang.
Ein frühes Einsetzen der Koprophänomene
steht nicht im Zusammenhang mit einer längeren Fortdauer
dieser Symptomatik. Die stärksten Zusammenhänge
der Koprophänomene bestehen zur Häufigkeit von
repetitiven Verhaltensweisen, die keine Tics sind, mit Spucken
und einem unpassenden Sexualverhalten.
Obwohl es sich bei Koprophänomenen
um eine häufig gefürchtete Möglichkeit im
Verlaufe der TS-Erkrankung handelt, kommt es lediglich bei
ca 1 von 5 Patienten dazu. Da der Verlauf und die jeweiligen
Auswirkungen der Koprophänomene sehr unterschiedlich
sind, ist zusätzliche Forschung vonnöten um bessere
Beratungen und prognostische Informationen liefern zu können.