Neurophysiologie des Tourette-Syndroms: Pathophysiologische
Überlegungen
Brain Dev. 2003
Segawa Neurological Clinic for Children, Tokyo, Japan
Gegenwärtig wird die Neurophysiologie
des Tourette-Syndroms hauptsächlich aus zwei Perspektiven
betrachtet: Einer zur Bewertung der Dysfunktion des cerebralen
Cortex (der Hirnrinde) und der anderen zur Aufklärung
neurologischer Mechanismen, die den Tics zugrunde liegen.
Für erstere wurden die folgenden Untersuchungen
durchgeführt: quantitative Analysen von EEGs, EEG-Potenziale
vor einer Bewegung, transcranielle Magnetstimulation und
neurologische Abbildungstechniken wie Echoplanar-Abbildungen
im Rahmen der Kernspintomographie (MRT) und Positronenemissionstomographie
(PET). Diese Untersuchungen haben die wahrscheinliche Beteiligung
subkortikaler und kortikaler Strukturen, besonders der Basalganglien
für die Pathophysiologie des Tourette Syndrom aufgezeigt.
Zur Aufklärung neurologischer Mechanismen
dienten die Oberflächen-Elektromyographie, evozierte
Potenziale, saccadische Augenbewegungen und Polysomnographien.
Wieder lassen die Ergebnisse auf eine Störung in den
Basalganglien und die Hirnstamm-Neuronen bei Tourette Syndrom
-Patienten schließen.
Diese neurophysiologischen Befunde deuten
auf eine Dysfunktion der motorischen und nicht-motorischen
Basalganglien und der thalamokortikalen Schleife bei Tourette
Syndrom Patienten hin, die laut Hypothese durch eine Hypofunktion
der Dopamin-Neuronen zusammen mit einer Supersensitivität
des Dopamin-Rezeptors sowie eine Hypofunktion der serotonergen
Neuronen des Hirnstamms bewirkt wird.
Polysomnographien lassen vermuten, dass
es sich bei der Dysfunktion der nigrostriatalen Dopamin-Neuronen
(NS-DA) nicht um einen progressiven Prozess handelt sondern
dass die Dysfunktion eng mit einem frühzeitig auftretenden
entwicklungsbedingten Verringerung der Aktivitäten
des NS-DA-Systems assoziiert ist, das nicht in einem normalen
Umfang reift. Die Hypersensitivität des Dopaminrezeptors
ist eine Konsequenz dieser Entwicklungs-Anomalie und beruht
nicht auf einer Denervation.