Erregbarkeit inhibitorischer Kreise des motorischen Cortex
im Falle des Tourette-Syndroms vor und nach einer Einzeldosis
Nikotin
Orth M, Amann B, Robertson MM, Rothwell JC.
Sobell Department of Motor Neuroscience
and Movement Disorders,The National Hospital for Neurology
and Neurosurgery, Royal Free and University College Medical
School, Queen Square, London
Brain 2005
Die Pathophysiologie, die den unfreiwilligen
Tics beim Tourette Syndrom zugrunde liegt, ist bislang unbekannt.
Die Autoren verwenden die transkranielle Magnetstimulation
(TMS), um die Erregbarkeit zweier unterschiedlicher Hemmsysteme
im humanen motorischen Cortex zu untersuchen: die intracortikale
Hemmung mit kurzen Intervallen (SICI, short interval intracortical
inhibition) und die afferente Hemmung mit kurzen Intervallen
(SAI, short interval afferent inhibition). Beide wurden
in 10 gesunden, nicht rauchenden Kontrollen und in 8 nicht
behandelten nicht rauchenden Tourette Syndrom-Patienten
analysiert. Im Vergleich mit den gesunden Kontrollen, waren
SICI und SAI in den Patienten reduziert.
Dies stimmt mit der Annahme überein,
dass eine reduzierte Erregbarkeit der cortikalen Inhibition
einer der Faktoren ist, die zu der Schwierigkeit, unfreiwillige
Tics zu unterdrücken, beitragen. Zusätzlich zeigt
ein reduziertes SAI, dass eine beeinträchtigte intracortikale
Hemmung nicht auf den motorischen Cortex beschränkt
ist, sondern auch die Kreise betrifft, die den sensorischen
Input und den motorischen Output verbinden. Eine Einzeldosis
Nikotin mindert die Tic-Schwere bei den meisten Patienten,
wie mit einer Videoaufzeichnung nachgewiesen werden konnte.
Zusätzlich hebt sie den Unterschied zwischen Kontrollen
und Patienten bzgl SICI und SAI auf.
Es gab keine Wirkung des Nikotins und keinen
Unterschied zwischen Kontrollen und Patienten im Hinblick
auf Messungen des motorischen oder SICI-Schwellenwertes.
Dies zeigt, dass der cholinerge Input die Wirksamkeit von
SICI und SAI in Tourette Syndrom-Patienten und Kontrollen
unterschiedlich modulieren kann.