Wie behandelt man Zwangserkrankungen
in Patienten mit Tourette-Syndrom?
Miguel EC, Shavitt RG, Ferrao YA, Brotto SA, Diniz JB.
Department of Psychiatry, University of Sao Paulo Medical
School, Sao Paulo, Brazil
J Psychosom Res. 2003
Zwangserkrankungen (OCD) stellen ein etiologisch
heterogenes Sammelsurium an Symptomen dar, unter anderem
auch einen Subtyp, der etiologisch mit dem Tourette-Syndrom
verwandt zu sein scheint.
Um OCD-Patienten optimal behandeln zu können, muss
der Arzt, psychologische, erzieherische und pharmakologische
Ansätze integrieren. Die effektivste psychologische
Intervention ist eine kognitive Verhaltenstherapie.
Eine medikamentöse Behandlung beinhaltet
Clomipramin und sämtliche selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren
(SSRI). Eine Untergruppe von OCD-Patienten zeigt jedoch
keine signifikante Besserung. Einige Studien lassen vermuten,
dass die Anwesenheit von Tics mit einer schlechten Reaktion
auf SSRIs assoziiert ist und dass diese Patienten von einer
kombinierten Therapie aus SSRIs und Neuroleptika profitieren.
Unabhängig von der Anwesenheit von Tics gibt es verschiedene
unterschiedliche Strategien zur Verstärkung bei SSRI-resistenten
Fällen und zwar mit Arzneimitteln, die in das Dopamin-,
Serotonin-, opioide und in das Geschlechtshormon-System
eingreifen.
Zusätzlich werden derzeit neue Therapien
gegen vermutete postinfektiöse Autoimmun-Prozesse getestet.
Schließlich sind neue Entwicklungen von Therapien,
die auf den neuralen Kreisen basieren, vielversprechend,
inklusive einer Neurochirurgie für spezielle Patienten,
die auf Medikamente nicht reagieren.