Beteiligung immunologischer biochemischer Mechanismen bei der Pathogenese
des Tourette-Syndroms
J Neural Transm. 2011
The Freund Tourette Syndrome Clinic, Department of
Psychological Medicine, and Department of Child Development and Neurology,
Schneider Children's Medical Center of Israel
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um eine neurologische
Erkrankung, die klinisch durch multiple motorische und vokale Tics
charakterisiert wird. Wahrscheinlich wird eine neurobiologische Suszeptibilität
für die Krankheit während der Entwicklung durch eine Interaktion
genetischer, biochemischer, immunologischer und Umweltfaktoren etabliert.
Die vorliegende Studie versucht, die mögliche Korrelation immunologischer
und biochemischer Marker mit dem Tourette-Syndrom zu hinterfragen.
Kinder mit Tourette-Syndrom, die von Mai 2008 bis
April 2010 in einer Kinderklinik behandelt wurden, sowie gesunde altersgemischte
Kontrollen wurden eingehender biochemischer und immunologischer Untersuchungen
unterzogen. Dabei wurden die demographischen Daten von den medizinischen
Aufzeichnungen getrennt. Die Befunde wurden zwischen beiden Gruppen
verglichen und statistisch analysiert.
68 Kinder mit Tourette-Syndrom (58 männlich, 85.3%) und 36 gesunde
Kinder (25 männlich, 69.4%) waren Bestandteil der Studie.
Verglichen mit der Kontrollgruppe wies die Tourette-Syndrom
-Gruppe signifikant erhöhte Ferritin-Gehalte (p = 0.01) und Hämoglobin-Werte
auf (p = 0.02), sowie niedrigere Gehalte an Zink (p = 0.05) und einen
geringeren Prozentsatz an nicht an. Ceruloplasmin gebundenem Kupfer
auf (p = 0.01).
Analysen der immunologischen Marker zeigten keine
signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich IgA, IgM
oder IgG. Die Gehalte an IGE und IgG-4 waren in der Tourette-Gruppe
jedoch signifikant erhöht (p = 0.04 und p = 0.02).
Kinder mit Tourette-Syndrom zeigen somit hohe Gehalte
an biochemischen Indikatoren für oxidative Belastung und an bestimmten
Immunglobulinen. Diese Befunde ergänzen die bislang begrenzten
Kenntnisse zur Pathogenese des Tourette-Syndroms und könnten Auswirkungen
auf die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze haben.