PANDAS: Ein mögliches Modell
für die Pathogenese einer adulten Zwangserkrankung
Dipartimento di Scienze Psichiatiche e Medicina Psicologica,
Sapienza Università di Roma
Riv Psichiatr. 2009
Obwohl genetische Faktoren bei der Entstehung
von Zwangserkrankungen (OCD) eine bedeutende Rolle spielen
können, ist derzeit noch kein spezielles Gen identifiziert
worden. In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, das
Zwangserkrankungen und/oder Tic-Störungen durch eine
vorangehende Infektion, speziell mit beta-hämolysierenden
Streptokokken der Gruppe A, getriggert werden können.
Auf der Basis neuerer Studien wurde postuliert,
dass bei Personen mit genetischer Disposition bestimmte
Streptokokken-Antigene Antikörper triggern, die über
einen als molekulares Mimikry bezeichneten Prozess mit Epitopen
der Basalganglien kreuzreagieren. Gemäß dieser
Hypothese wurde das Akronym PANDAS verwendet, um eine Untereinheit
von Kindern zu beschreiben, bei denen ein plötzliches
Einsetzen oder eine plötzliche Verschlechterung von
OCD und/oder Tics nach Streptokokkeninfektionen beobachtet
wird.
Bildgebende Studien (Neuroimaging) zeigen
vergrößerte Volumina der Basalganglien und als
Ursache wird eine Kreuzreaktion von Streptokokken-Antikörpern
mit dem Gewebe der Basalganglien vermutet. Die Hypothese
einer möglichen Beteiligung des Immunsystems wird auch
durch quantitative Veränderungen der Gehalte an TNF-alpha,
IL-6 und IL-1 im Serum der Patienten mit PANDAS-Syndrom
gerechtfertigt. Echotomographische Untersuchungen der Herzklappen
konnten die Parallelen zwischen PANDAS und Chorea Sydenham
noch nicht nachweisen. Behandlungsstrategien wie Plasmapherese
oder intravenöse Gabe von Immunglobulinen wurden vorgeschlagen,
um den Autoimmun-Prozess, der für die Pathogenese von
PANDAS verantwortlich zu sein scheint, zu erklären.
Weitere Forschung ist notwendig, um die
Rolle der Streptokokken-Infektionen für die Pathogenese
von PANDAS zu verstehen.