Zusammenhang zwischen dem
Rauchen der Mutter und einer verstärkten Tic-Symptomatik
beim Tourette-Syndrom
Department of Psychiatry, University of California San Diego,
La Jolla, CA, and the Department of Psychiatry, North-Shore
University Hospital/New York University School of Medicine,
Manhasset, NY, USA, Am J Psychiatry. Juni 2006
Es gibt Hinweise, dass sowohl Umwelt- als auch genetische
Faktoren zur Entwicklung und klinischen Expression des Tourette-Syndroms
beitragen. Obwohl genetische Untersuchungen zum Tourette-Syndrom
verbreitet sind, gibt es relativ wenig Untersuchungen zu
Umweltfaktoren und bislang konnten keine Risikofaktoren
ausgemacht werden. Die vorliegende Studie analysiert in
einem großen Patienten-Pool (N = 180) den Zusammenhang
zwischen pränatal/perinatal ungünstigen Vorgängen
und der Schwere des Tourette-Syndroms, bestimmt als Tic-Stärke
und Vorkommen comorbider Erkrankungen wie Zwangserkrankungen
(OCD), Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHD) und Selbstverletzungen.
Tic-Stärke, OCD, ADHD, Selbstverletzungen und die Exposition
mit ungünstigen Faktoren wurden systematisch in sämtlichen,
an drei genetischen Studien zum Tourette Syndrom teilnehmenden
Probanden untersucht. Mit Hilfe linearer und logistischer
Regression wurde ein Best-Fit-Modell bestimmt.
Es zeigte sich, dass ein Rauchen der Mutter
stark mit einer verstärkten Tic-Schwere und mit dem
Auftreten comorbider Zwangserkrankungen bei diesen Tourette
Syndrom-Patienten korreliert. Andere Variablen wie das Alter
des Vaters und das Geburtsgewicht waren signifikant aber
weniger mit der Symptomschwere assoziiert. Die Autoren fanden
keinen Zusammenhang zwischen der Schwere der Symptome und
einer Hypoxie, einer Zangengeburt oder einer Hyperemese
(starkes Schwangerschaftserbrechen), Faktoren die bislang
als Risikofaktoren angesehen wurden.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass ein pränatales Rauchen der Mutter als starker
Risikofaktor für die Schwere der Tic-Symptomatik beim
Tourette Syndrom angesehen werden kann.