Kompensatorische neurale Reorganisation beim Tourette-Syndrom
WCU Department of Brain and Cognitive Engineering, Korea University,
South Korea; School of Psychology, The University of Nottingham, UK
Curr Biol. 2011 Apr
Kinder mit neurologischen Erkrankungen könnten
gemeinsamen Entwicklungsbahnen folgen, während derer sie kompensatorischen
neuroplastischen Veränderungen in der Gehirnstruktur und -funktion
unterliegen, die ihnen helfen, Kontrolle über ihre Symptome zu
bekommen.
Die Autoren verwendeten Verhaltenstests und Methoden
zur Abbildung des Gehirns, um diese Vermutung bei Kindern mit Tourette-Syndrom
(TS) zu überprüfen.
Mit Hilfe von Aufgaben, die ein hohes Maß an
manueller Steuerung voraussetzen, konnte gezeigt werden, dass Personen
mit TS eine verstärkte Kontrolle ihrer Motorik zeigen.
Mit Hilfe der diffusionsgewichteten Kernspintomographie konnten zudem
weitreichende Unterschiede in der weißen Substanz von TS-Gehirnen
aufgezeigt werden, die Veränderungen im Corpus callosum und im
Bereich des Forceps minor beinhalten, über welche sich Aussagen
zur Schwere der Tics machen lassen. Besonders wichtig ist, dass die
Autoren zeigen konnten, dass die Aufgabenerfüllung in der TS Gruppe
anders als in der Kontrollgruppe sich auf Grund der Mikrostruktur der
weißen Substanz vorhersagen lässt, die die Forceps-minor-Wege
beinhalten, welche zum prefrontalen Cortex führen. Auch über
BOLD-MRT-Abbildungen von prefrontalen Bereichen, die diese Gehirnareale
verbinden, sind Aussagen zur Augabenerfüllung möglich.
Diese Ergebnisse liefern Hinweise auf kompensatorische
Reorganisationen des Gehirns, die den gesteigerten Eigenregulationsmechanismen
unterliegen können, welche hypothetischerweise zur Kontrolle der
Tics während der Adoleszenz führen können.