Schizotype Persönlichkeitszüge beim
Gilles de la Tourette-Syndrom
Deutsche Übersetzung:
Sobell Department of Motor Neuroscience and Movement Disorders,
UCL Institute of Neurology, London, UK
Acta Neurol Scand. 2007
Beim Gilles de la Tourette-Syndrom handelt
es sich um eine chronische Tic-Erkrankung, die häufig
mit komorbiden Psychopathologien assoziiert ist. Dazu gehören
Zwangserkrankungen, ADHD und affektive Instabilität.
Hinweise auf eine Kopplung von Tourette Syndrom und Schizophrenie-ähnlichen
Symptomen sind begrenzt und zweifelhaft trotz eines gemeinsamen
mutmaßlichen Substrats, das eine dopaminergen Dysfunktion
innerhalb des frontostriatalen Schaltkreises bedingt.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es,
das Vorkommen schizotypaler Merkmale beim Tourette Syndrom zu quantifizieren
und Aussagen bzgl der Beziehung zwischen schizotyper und
komorbider Psychopathologie zu ermitteln.
102 Patienten mit Tourette Syndrom wurden mittels eines
Fragebogens zur schizotypen Persönlichkeit und mit
Systemen zur neurologischen und psychiatrichen Einstufung
bewertet. Der Zusammenhang zwischen Schizotypie, Tic-bezogenen
Symptomen und psychiatrischen Komorbiditäten wurde
mittels Korrelations- und Regressionanalytik bewertet. Innerhalb
der Klinik-Patienten wurden 15 % mit einer schizotypen Persönlichkeit
gemäß DSM-IV-Kriterien diagnostiziert. Die stärksten
Prädiktoren für eine Schizotypie waren Zwangserkrankungen
und Angststörungen. Das Vorkommen von multiplen psychiatrischen
Komorbiditäten korrellierte positiv mit dem Grad der
Schizotypie.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass schizotype Merkmale bei Patienten mit Tourette Syndrom relativ häufig
auftreten und das Vorkommen komorbider Psychopathologien
wiederspiegeln. Diese ersten Ergebnisse der Autoren untermauern
die Vermutung, dass der Tic-Expression, dem Zwangsverhalten
und speziellen schizotypen Merkmalen eine gemeinsame neurochemische
Ursache zugrunde liegt.