Schlafmuster bei Kindern mit ADHS, Tic-Störungen und
Komorbiditäten
Institute of Physiology, Bulgarian Academy of Sciences,
Acad. G. Bonchev Str. 23, 1113, Sofia, Bulgaria
Eur Child Adolesc Psychiatry. 2007
Kirov R, Kinkelbur J, Banaschewski T, Rothenberger A.
In Kindern sind ADHS, Tic-Störungen
(TD) und deren Komorbiditäten sehr verbreitet und von
klinischer Bedeutung. Schlafmuster, die mit diesen Erkrankungen
in Zusammenhang stehen, sind bislang jedoch noch wenig analysiert
worden.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es,
diese Schlafmuster in Kindern mit ADHD, TD und ADHD+TD Komorbiditäten
zu charakterisieren und zu bestimmen, ob bei ADHD+TD die
Faktoren ADHD und TD das Schlafmuster unabhängig voneinander
(additiv) oder in einer komplexen Form (interaktiv) beeinflussen.
Mittels Polysomnographie wurden die Schlafmuster von vier
Gruppen von nicht medikamentös behandelten 8-16,4 Jahre
alten Kindern (gesunde Kontrollen, nur ADHD, nur TD und
ADHD+TD) untersucht. Jede Gruppe bestand aus 18 Probanden,
die in Hinsicht auf Alter, Geschlecht und Intelligenz gemischt
waren.
Die Ergebnisse zeigten, dass ADHD vor allem
durch einen Anstieg in bezug auf den REM (rapid eye movement)-Schlaf
charakterisiert wurde, während TD-Patienten eine geringere
Schlaf-Effektivität und einen erhöhten Arousalindex
(Anm. d. Übers: nächtliche Weckreaktionen (Arousals);
Arousals werden als Ursache für vermehrte Tagesmüdigkeit
und für eine gesteigerte zirkardiane Sympathikusaktivität
angesehen) zeigten. In Kindern mit ADHD und TD fand man
beide Effekte. Für keinen Schlafparameter konnte eine
Interaktion der ADHD- und TD-Faktoren beobachtet werden.
Es zeigten sich jedoch signifikante Korrelationen zwischen
den Schlafmustern und der klinischen Symptomatik.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass ADHD und TD durch spezifische Veränderungen des
Schlafes charakterisiert werden. Liegen sowohl ADHD und
TD vor, so kommt es zu einer additiven Veränderung
des Schlafmusters, was einen deutlichen Einfluss auf klinische
und therapeutische Perspektiven hat.