Eine Entwicklungs-Studie
zur Selbst-Kontrolle beim Tourette-Syndrom
Department of Psychiatry, New York State Psychiatric Institute
and the College of Physicians and Surgeons, Columbia University,
1051 Riverside Dr., Unit 74, New York, NY 10032, USA
Rachel Marsh, Ph.D., Hongtu Zhu, Ph.D., Zhishun Wang, Ph.D.,
Pawel Skudlarski, Ph.D. and Bradley S. Peterson, M.D.
Am J Psychiatry. 2007
Störungen in der Reifung von Bereichen
des Nervensystems, die eigenregulatorische Prozesse vermitteln,
könnten zur Entwicklung des Tourette-Syndroms beitragen,
indem sie motorische und vokale Tics aus der regulatorischen
Steuerung entlassen.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es,
Alterskorrelationen der funktionalen Aktivität in neuralen
Schaltkreisen zu analysieren, die der eigenregulatorischen
Steuerung bei Kindern und Erwachsenen förderlich sind.
Bei den Teilnehmern der Studie handelte es sich um 136 Kinder
und Erwachsene, von denen 66 am Tourette Syndrom erkrankt waren. Während
der Durchführung des Stroop-Testes verglich der Autor
BOLD-Daten (blood-oxygen-level dependent) der funktionellen
MRT (f-MRT) in Tourette Syndrom -Patienten mit denen gesunder Kontrollen.
Ein generelles lineares Modell der Stroop-bezogenen Aktivierungen
wurde angewendet, um unterschiedliche Effekte von Alter
und Verhalten auf Veränderungen der eigenregulatorischen
Kontrolle in beiden Gruppen zu vergleichen. Es zeigte sich,
dass sich beide Gruppen hinsichtlich der Korrelation von
Alter und regionaler Hirnaktivität während des
Erfüllens der Aufgabe signifikant unterschieden.
Mit zunehmendem Alter deaktivieren Tourette
Syndrom-Patienten die Brodmann-Bereiche 10, 24 (ventraler
prefrontaler Cortex) und 31 (Cortex cingulatus posterior)
offensichtlich weniger. Eine größere Aktivität
in den bilateralen frontostriatalen Regionen (Brodmann-Bereiche
9/46, 45/46; Nucleus lenticularis; und Thalamus) gingen
bei Tourette Syndrom-Patienten mit einer geringeren Leistungsfähigkeit
einher, die bei normalem Verhalten im Stroop-Test vermuten
lässt, dass eine größere Aktivität
des frontostriatalen System Tourette Syndrom Patienten dabei
hilft, Aufgaben wie den Stroop-Test zu erfüllen. Zusammenfassend
lässt sich sagen, dass normative entwicklungsbezogene
Korrelationen der Hirnaktivität im frontostriatalen
Bereich, die der eigenregulatorischen Kontrolle dienlich
sind, bei Tourette Syndrom-Patienten gestört sind.
Dies ist wahrscheinlich eine Folge größerer
anatomischer und funktioneller Störungen in diesen
Bereichen bei Tourette Syndrom-Patienten, was zu einer gestörten
Kontrolle des Tic-Verhaltens führt. Eine reduzierte
Default-Mode-Verarbeitung im ventralen prefrontalen Cortex
und im Cortex cingulatus posterior in Erwachsenen mit Tourette
Syndrom lässt vermuten, dass sie größere
Schwierigkeiten haben, mentale Prozesse bei stark fordernden
Aufgaben einzuleiten.
Trotzdem scheinen Tourette Syndrom-Patienten
normale Entwicklungsprozesse in Hirnarealen, die die altersbezogene
Verbesserungen der eigenregulatorischen Kontrolle fördern,
zu kooptieren, während sie damit kämpfen, eine
adäquate Leistung zu erbringen.