Das Gilles de la Tourette-Syndrom:
Eine prinzipielle Komponentenanalyse eines großen
Stammbaums
Department of Mental Health Sciences, University
College London, UK
Psychiatr Genet. 2007 Jun
Die Genetik und die Phänotypen des
Gilles de la Tourette-Syndroms sind kompliziert. Während
man früher davon ausging, dass das Tourette Syndrom
durch eine einzelne autosomal dominante Bedingung vererbt
wird, sind inzwischen verschiedene Bereiche zahlreichen
Chromosomen von Interesse und ein Gen konnte bereits für
das Tourette Syndrom identifiziert werden. Untersuchungen
mit Hilfe der Faktorenanalyse lassen vermuten, dass es für
das Tourette Syndrom mehr als einen Phänotyp gibt und
dass es sich nicht um eine einheitliche Bedingung handelt.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die Phänotypen
des Tourette Syndrom in einer Gruppe von Individuen zu charakterisieren,
deren komplettes Genom aufgeschlüsselt wurde.
Die Autoren analysierten 85 Mitglieder
einer mehrfach betroffenen Verwandtschaft mehrerer Generationen,
von denen 69 Symptome im Zusammenhang mit Tourette Syndrom
( Tics, Zwangsverhalten, ADHS) zeigten, mit Hilfe einer
hierarchischen Cluster-Analyse und dann einer prinzipiellen
Komponenten-Analyse. Aus der Analyse ergaben sich drei signifikante
Faktoren, die ca 42 % der Symptom-Varianz bedingen: Faktor
1 ( nahezu reine Tics), Faktor 2 vorwiegend ADHD und aggressives
Verhalten), und Faktor 3 (vorwiegend Depression, Ängste,
Zwangsverhalten und Selbstverletzung). Unterschiedliche
Arten von Tics kamen bei allen 3 Faktoren vor. Lediglich
Stirnrunzeln und Schniefen fand man vorwiegend bei den Faktoren
1 und 3.
Die Ergebnisse liefern weitere Hinweise
darauf, dass die Genetik des Tourette Syndrom-Komplexes
keine einheitliche Bedingung darstellt und bestätigen
somit die Ergebnisse früherer Untersuchungen, die unterschiedliche
Tourette Syndrom-Phänotypen beschrieben. Obwohl der
genetische Scan des Stammbaums drei interessante Regionen
aufzeigte und die vorliegende Studie drei Faktoren fand,
müssen weitere Studien folgen, um abzuklären,
ob die drei Faktoren mit den genetischen Daten übereinstimmen.