Tourette-Syndrom und die Rolle von Tetrabenazin
Tourette Clinic and Functional Neurosurgery, IRCCS Galaezzi
Hospital, Milan, Italy
Clin Drug Investig. 2008
Überblick und persönliche Erfahrungen
Beim Gilles de la Tourette-Syndrom handelt
es sich um eine vererbbare Tic-Störung, die häufig
zusammen mit anderen neurologisch bedingten Verhaltensauffälligkeiten
wie ADHD und Zwangserkrankungen (obsessive-compulsive disorder
(OCD)) auftritt.
Während das klinische Erscheinungsbild
von Tourette Syndrom und andere Eigenschaften gut charakterisiert wurden,
sind die genetische und die neurobiologische Basis der Erkrankung
noch unvollständig durchleuchtet worden.
Die Vorstellung der zentralen Rolle von
Dopamin bei der Ätiologie von Tourette Syndrom basiert
auf experimentellen Studien, Hinweisen aus bildgebenden
verfahren (Neuroimaging) und der Reaktion von Patienten
auf Medikamente, die antagonistisch oder anders in mögliche
Dopamin-Stoffwechselwege eingreifen. Zu diesen gehört
Tetrabenzin, das mindernd auf präsynaptische Dopamin
und Serotonin-Speicher wirkt und postsynaptische Dopaminrezeptoren
blockiert.
In klinischen Studien erwies sich Tetrabenzin
bei verschiedenen hyperkinetischen Störungen als wirksam,
auch bei einer kleinen Anzahl (<50) von Tourette Syndrom-Patienten.
Ergebnisse eines retrospektiven Überblicks, der nur
Tourette Syndrom-Patienten berücksichtigt, (n=7; mittleres
Alter =5 Jahre) zeigten, dass eine Therapie mit Tetrabenzin
über 2 Jahre bei über 80 % der Patienten zu einer
Besserung der mit Tourette Syndrom in Verbindung stehenden
Symptome führte.
Derartige Befunde sind vielversprechend
und lassen vermuten, dass Tetrabenzin als zusätzliche
Therapie für Tourette Syndrom-Patienten geeignet ist,
bei denen eine zusätzliche Tic-Suppression gewünscht
ist.