Tetrabenazin, ein Monoamin verminderndes Medikament
zur Behandlung hyperkinetischer Bewegungsstörungen
Department of Experimental and Clinical Pharmacology, College of
Pharmacy, University of Minnesota, USA
Am J Geriatr Pharmacother. 2010
Wenige Medikamente stehen zur Behandlung von hyperkinetischen Bewegungsstörungen
wie Dystonien, Chorea, Dyskinesien und Tics zur Verfügung. Die
verfügbaren (primäre Neuroleptika) weisen zahlreiche, teils
schwere Nebenwirkungen auf. Hierzu zählt auch die Induktion tardiver
Dyskinesien.
Tetrabenazin ist ein Monoamin-verminderndes Medikament,
das zuerst in den 50er Jahren untersucht wurde und vor kurzem die Zulassung
der US FDA zur Behandlung von Chorea Huntington erhielt.
Der vorliegende Bericht beschäftigt sich mit der Chemie, der Pharmakologie,
Pharmakokinetik, der therapeutischen Anwendung, der Verträglichkeit
sowie der Dosierung von Tetrabenazin. In der Datenbank Medline wurde
von 1950-2010 nach englischsprachigen Artikeln zu Tetrabenazin gesucht.
Im Rahmen der Suche nach einer chemischen Verbindung, die einfacher
als Reserpin ist, aber trotzdem die Reserpin eigene psychotrope Aktivität
aufweist, wurde Tetrabenazin 1950 als ein Mitglied der großen
Gruppe von Benzoquinolizin-Derivaten identifiziert.
Es wirkt über eine Verminderung der Monoamine
Serotonin, Norepinephrin, und Dopamin im zentralen Nervensystem. Dies
geschieht durch eine reversible Hemmung der vesikulären Monoamintransporter
(Typ 2), so dass eine Aufnahme der Monoamine in präsynaptische
Neurone verhindert wird. Klinische Studien lassen vermuten, dass Tetrabenazin
zur Therapie zahlreicher hyperkinetischer Bewegungsstörungen angewendet
werden kann. Tetrabenazin wurde mit zahlreichen Nebenwirkungen in Verbindungen
gebracht, von denen einige ernst zu nehmen sind wie Parkinson, extrapyramidale
Symptome wie Akathisie, Depressionen und Suizidneigung, ferner einem
malignen neuroleptischem Syndrom und Sedierung.
Tetrabenazin spielt bei wichtigen Medikamenten-Wechselwirkungen
eine Rolle mit Inhibitoren und Induktoren von Cytochrom P450 (CYP)
2D6, Reserpin und Lithium. Es ist eines der wenigen Medikamente dessen
Dosierung, zumindest teilweise auf den Ergebnissen einer Gentypisierung
basiert (in dem speziellen Fall einer Gentypisierung für CYP2D6
Metaboliser).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Tetrabenazin
ein schwieriges Arzneimittel ist, was den Wirkmechanismus und die Aktivität
gegen die drei Haupt-Monomamine des ZNS betrifft, so dass es schwierig
ist, die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Patienten mit hyperkinetischen
Bewegungsstörungen vorherzusagen. Es steht in Zusammenhang mit
zahlreichen Nebenwirkungen und wichtigen Medikamenten-Interaktionen.
Es gibt noch viel zu tun, um das therapeutische Potenzial von Tetrabenazin
zur Behandlung hyperkinetischer Erkrankungen zu bestimmen.