Tic Erkrankungen: Administrative Prävalenz
und Comorbidität mit ADHD in einer Studie bezogen auf eine Region
in Deutschland
Institute for Innovation & Valuation in Health
Care (InnoVal(HC)), Wiesbaden,; University of Applied Economic Sciences,
Ludwigshafen; Department of Public Health, Social and Preventive Medicine,
Mannheim Medical Faculty, University of Heidelberg, Germany
Eur Psychiatry. 2010 Apr
Die Koexistenz von Tics und ADHD hat wichtige klinische
und wissenschaftliche Auswirkungen.
Bislang existierende Daten zum gleichzeitigen Vorkommen
von Tics und ADHD stammen in der Regel aus Studien im kleinen Maßstab
in ausgewählten Stichproben und sind daher heterogen.
Das Nordbaden-Projekt beinhaltet die kompletten Daten
ambulanter Patienten von mehr als 2,2 Millionen Personen, was 2003
82% der regionalen Bevölkerung entspricht. Basierend auf der Zahl
diagnostizierter Fälle an Tics, Tourette und ADHS bestimmten die
Autoren die Rate der administrativen Prävalenz (Vorkommen in Behandlungseinrichtungen)
und die Rate für eine Koexistenz über 12 Monate.
Tic-Störungen und ADHS wurden am häufigsten
in der Gruppe der 7-12 Jahre alten Personen diagnostiziert (jegliche
Tic-Störung 0,8%, ADHD 5%). Mit zunehmendem Alter nehmen die Unterschiede
der administrativen Prävalenz zugunsten des männlichen Geschlechts
ab.
Bei Personen über 30 Jahre werden Tic-Störungen
etwas häufiger bei Frauen berichtet als bei Männern. Die
höchste Rate einer Koexistenz von ADHD und Tics findet sich bei
Heranwachsenden (13-18 Jahre, 15,1%)
Tics finden sich bei 2,3% der ADHD-Patienten. Die
Raten der administrativen Prävalenz für Tic-Störungen
und Torette Syndrom sind deutlich niedriger als die in auf Regionen
bezogenen epidemiologischen Studien, was darauf hindeutet, dass eine
große Anzahl an Fällen unter den gegenwärtigen Bedingungen
der ambulanten Gesundheitsfürsorge nicht erkannt wird bzw. unbehandelt
bleibt.