Topiramat zur Therapie vom Tourette Syndrom
Parkinson's Disease Center and Movement
Disorders Clinic, Department of Neurology, Baylor College
of Medicine, Houston, USA
Clin Neuropharmacol. 2010 Nov
Das Ziel der vorliegenden Studie war die
Beschreibung der Sicherheit und Effektivität von Topiramat
beim Tourette-Syndrom.
Gruppen von Patienten, die zwischen 2003
und 2007 am Krankenhaus der Autoren mit Tic- Störung
diagnostiziert worden waren, wurden nachträglich überprüft.
Patienten, die den diagnostischen Kriterien eines Tourette
Syndroms entsprachen und bei denen eine Therapie mit Topiramat
mit mindestens 1 Kontrollbesuch begonnen wurde, wurden in
die Studie einbezogen.
Zur Analyse der Wirksamkeit von Topiramat
wurden die subjektiven Eindrücke bezüglich der
Wirksamkeit, der globale Eindruck der Reaktion (0 = keine
Reaktion/schlechter, 1 = leichte Verbesserung, 2 = mäßige
Verbesserung, 3 = deutliche Verbesserung) sowie die Nebenwirkungen
aufgezeichnet.
Von 453 Patienten entsprachen 367 den Diagnosekriterien
eines Tourette Syndroms und 41 (11.1%; 34 Männer) waren
wegen der Tics mit Topiramat für 9.43 +/- 7.03 Monate
(1-27 Monate) behandelt worden.
Das durchschnittliche Alter des Einsetzens
der Tics lag bei 6.93 +/- 2.78 Jahre (2-14 Jahre) und das
Alter zu Beginn der Topiramat-Therapie bei 14.83 +/- 5.63
Jahren (9-27 Jahre).
Die durchschnittliche Wirksamkeit der Tics
lag bei 2.15 +/- 1.11, und 75.6% (n = 31) der Patienten
hatten mäßige bis deutliche Verbesserungen der
Tics. Die Nebenwirkungen beinhalteten kognitive und Sprachprobleme
(24.4%, n = 10), Aggressionen oder Stimmungsschwankungen
(9.8%, n = 4).
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass Topiramat bei Tics im Rahmen des Tourette Syndroms
verwendet werden kann und zwar mit wenigstens mäßiger
Wirksamkeit und typischen Nebenwirkungen. Randomisierte
kontrollierte Studien sind nötig.
Anm. des. Übersetzers: Topiramat (Topamax)
ist ein Mittel, das bei Epilepsie und zur Migräneprophylaxe
verwendet wird. Topiramat wirkt über verschiedene Mechanismen,
die eine übermäßige Erregung von Nervenzellen
verhindern. Topiramat blockiert die (verstärkend wirkende)
Glutamat-Bindungsstelle am erregenden, glutamatergen AMPA-Rezeptor
[3] und verstärkt durch Bindung an GABA-Rezeptoren
deren hemmenden Effekt. Außerdem inaktiviert Topiramat
den spannungsabhängigen Natriumkanal, wodurch die Zelle
gehindert wird, schnell aufeinanderfolgende Aktionspotentiale
zu generieren.