Strukturelle Anomalien in der Substantia nigra und benachbarten
Nuclei beim Tourette-Syndrom
Area de Psicobiología, Facultad
de Psicología, Universidad de Málaga, Campus
Teatinos, 29071, Málaga, Spain
J Neural Transm. 2010
Obwohl Nuclei des mittleren Gehirns (Substantia
nigra, ventraler tegmentaler Bereich und periaqueductaes
Grau) Kandidaten-Loci für die Pathologie des Tourette-Syndroms
darstellen, gibt es wenige bildgebende Untersuchungen zur
Struktur des Mittelhirns.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es,
das Vorhandensein subtiler Struktur-Anomalien im Mittelhirn
von Patienten mit dem Tourette Syndrom zu evaluieren. Kernspintomographien
mit einer Feldstärke von 1.5 und 3 T wurden bei 23
Patienten mit dem Tourette Syndrom und bei 20 hinsichtlich
Alter und Geschlecht gemischten Kontrollen durchgeführt.
Die Tic-Symptome wurden mittels “Yale Global Tic Severity
Scala” bewertet und komorbide neuropsychiatrische
Störungen mit entsprechenden Rating-Verfahren.
Die MRT-Scans zeigten strukturelle Anomalien
wie Erweiterungen der perivaskulären Räume in
der Substantia nigra (compacta and reticulata) und benachbarten
Nuclei bei 6 (26%) der Patienten mit dem Tourette Syndrom,
aber keinem der gesunden Kontrollen (P = 0.045). Stereotype
Bewegungen fanden sich häufiger (P = 0.017) unter den
Tourette-Patienten mit Erweiterungen der perivaskulären
Räume im Mittelhirn als in den Tourette-Patienten mit
normalem MRT. Parkinson-ähnliche Symptome, posttraumatische
Stress-Störungen und Erkrankungen des Autismus-Spektrums
zeigten sich nur bei Tourette-Patienten mit Erweiterungen
der perivaskulären Räume des Mittelhirns.
Obwohl Erweiterungen der perivaskulären
Räume bislang eher als Zufallsbefund galten, lassen
die Befunde der Autoren vermuten, dass wenn sich Erweiterungen
der perivaskulären Räume im Mittelhirn finden,
diese symptomatisch zu sein scheinen. Diese Anomalien würden
die aktuelle Zahl der Neuronen in speziellen Nuclei des
Mittelhirns (Substantia nigra) reduzieren und deren Konnektivität
mit den limbischen, assoziativen und motorischen Kreisen
unterbrechen.