Tourette-Syndrom bei Erwachsenen
Parkinson Disease Center and Movement Disorders Clinic,
Department of Neurology, USA
Mov Disord. 2010
Das Tourette-Syndrome (TS) ist durch motorische
und phonetische Tics definiert, die vor dem Alter von 18 Jahren beginnen.
Daher haben sich die meisten Studien auf TS in der Kindheit fokussiert,
während die Krankheit im Erwachsenenalter nicht sehr gut charakterisiert
wurde.
Die Autoren untersuchten medizinische Befunde sämtlicher
neuer TS-Patienten ihrer Klinik der letzten 5 Jahre, sofern sie älter
als 19 Jahre waren und verglichen sie mit 100 TS-Patienten im Alter
von < 18 Jahren. Das mittlere Alter von 43 erwachsenen TS-Patienten
beim ersten Besuch betrug 58.8 ± 6.7 Jahre, während das
mittlere Alter beim ersten Besuch von Kindern mit TS 12.9 ±
2.0 Jahre betrug.
Bei den erwachsenen TS-Patienten hatten 35 (81.4%)
eine Tic-Geschichte mit Anfängen vor dem Alter von 18 Jahren (mittleres
Alter bei Beginn: 8.5 ± 3.4 Jahre), 8 (18.6%) berichteten, dass
die Tics erstmalig nach dem Alter von 18 Jahren auftraten (mittleres
Alter bei Beginn: 37.8 ± 13.2). Lediglich 2 Patienten (4.7%)
berichteten von einem Tic-Beginn jenseits des Alters von 50 Jahren.
Erwachsene Patienten mit TS litten signifikant häufiger
unter Tics im Gesicht- und Rumpfbereich und zeigten vermehrt Substanz-Missbrauch
und Stimmungsschwankungen, doch zeigten sie weniger vokale Tics und
niedrigere Raten an ADHS und comorbiden Zwangserkrankungen als Kinder
mit TS.
Beim TS bei Erwachsenen handelt es sich größtenteils
um eine neue Erscheinung oder eine Verschlimmerung eines bereits in
der Kindheit einsetzenden TSs. Während des Verlaufs des TSs bessern
sich vokale und komplexe motorische Tics sowie ein selbstzerstörerisches
Verhalten und ADHS meist während Tics im Gesicht, Hals- und Rumpfbereich
den adulten TS-Phänotyp dominieren.