Was ist die Verbindung zwischen rotem Haar und Tourette-Syndrom?
Sydney Children's Hospital Australia
Med Hypotheses. 2009
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um
eine chronische, idiopathische im Kindesalter einsetzende
neuropsychiatrische Krankheit mit vokalen und motorischen
Tics. Das TS kommt weltweit vor und die klinischen Merkmale
sind ähnlich, unabhängig vom Land. Genetische
Ursachen werden vermutet, sind jedoch noch nicht bewiesen.
Auf Grund der Tatsache, dass rote Haare bei TS-Patienten
überrepräsentiert sind, wurde eine Verbindung
zwischen rotem Haar und TS hypothesiert.
Bislang konnte ein kausaler Zusammenhang zwischen rotem
Haar und dem Melanocortin-1-Rezeptor nachgewiesen werden.
Dies ist das einzige Gen, dass bekanntermaßen die
physiologischen Unterschiede der menschlichen Pigmentierung
erklärt. Man glaubt derzeit, dass Melanocortine an
mehreren Krankheiten beteiligt sind. Dazu zählen: Pigmentstörungen,
Schilddrüsenerkrankungen, Fettleibigkeit, Anorexie,
neuropatische Schmerzen und Entzündungsreaktionen.
Der Vererbungsmodus des TS ist, ebenso wie der von rotem
Haar autosomal rezessiv mit Häufungen in Familien.
Um die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen rotem Haar
und TS zu erklären, wurden 168 Fragebögen, die
zuvor an TS-Patienten der australischen Tourette Gesellschaft
verschickt worden waren, analysiert.
In dieser Studie hatten 22, 13% (95% CI
8.9-19.4) der TS-Patienten rotes Haar. Die Verteilung von
rotem Haar in der gesunden australischen Bevölkerung
liegt bei 2-6%. Der Anteil an Rothaarigen in der TS-Gruppe
war damit signifikant höher als in Kontrollgruppen.
55% der TS-Patienten hatten zudem Verwandte mit roten Haaren.
Von diesen waren 30% Verwandte 1. Grades, 46% Verwandte
2. Grades und 24% weiter entfernte Verwandte. Viele TS Patienten
hatten mehrere Verwandte mit roten Haaren, da 90 Patienten
insgesamt 181 Verwandte mit roten Haaren aufwiesen. Wenn
diese Hypothese korrekt ist, könnte das MCIR-Gen, durch
einen neurologischen Effekt oder ein Gen für das Tourette-Syndrom
auf Chromosom 16 in der Nähe des MC1R, mit eine Rolle
bei der Entstehung des TS spielen.
Die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen
rotem Haar und TS sollte nach Ansicht der Autoren weiter
untersucht werden.