Verhaltens- und emotionale Probleme in Heranwachsenden mit
Tourette-Syndrom
Chang Gung Med J. 2008
Department of Child Psychiatry, Chang Gung Memorial Hospital,
Taipei, Taiwan
Patienten mit Tourette-Syndrom tragen das Risiko einer
Reihe an Verhaltens- und emotionalen Problemen, die zu
sozialen, akademischen und beruflichen Beeinträchtigungen
führen.
Die Studie versucht, die Art und Schwere von Verhaltens-
und emotionalen Problemen in Taiwanesischen Heranwachsenden
zu untersuchen.
Vierzig Heranwachsende mit Tourette Syndrom und normalem
IQ sowie 30 in Bezug auf Alter und Geschlecht gemischte
gesunde Kontrollen wurden mit Hilfe des YGTS (Yale Global
Tic Severity Scale) und der CBC-Liste (Child Behavioral
Checklist) analysiert, um die Schwere der Tic-Symptomatik
sowie der Verhaltens- und emotionalem Probleme zu bewerten.
Die Haupt-Betreuungspersonen der Heranwachsenden wurden
mit Hilfe einer chinesischen Version eines Fragebogens
für affektive Erkrankungen und Schizophrenie (CK-SADS)
interviewt, um die comorbiden psychiatrischen Diagnosen
zu bestätigen.
Die meisten Tourette Syndrom-Heranwachsenden der Studie
zeigten eine milde Tic-Stärke. Jedoch zeigten sie
in nahezu sämtlichen CBC-Skalierungen höhere
Scores als die Kontrollen. Eine hohe Tic-Stärke gemäß
YGTS
korrelierte positiv mit Problemen
im Bereich der Internalisierung und Externalisierung (Vergegenständlichungsleistung
des kognitiven Apparats im Sinne einer Entäußerung
innerer Vorgänge) und aggressiven Verhaltensmustern.
Mit dem Älterwerden von Tourette Syndrom-Patienten
nahmen die CBCL-Scores in Bezug auf Internalisierungs-
und Externalisierungsproblematik, aggressives Verhalten
und Zwangssymptomatik deutlich ab.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass taiwanesische
Heranwachsende mit einer leichten bis mittleren Tic-Stärke
deutliche Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten
zeigen. Obwohl die Stärke dieser Probleme mit dem
Alter abnimmt, halten die Autoren dennoch eine systematische
Befragung junger Tourette Syndrom-Patienten nach psychologischem
Befinden und psychiatrischen Komorbiditäten für
erforderlich.
Anm.
Als Internalisierung bezeichnet man in den Sozialwissenschaften,
insbesondere in der Soziologie, die Verinnerlichung gesellschaftlicher
Werte, Sitten, Normen und sozialer Rollen im Rahmen der
Sozialisation und der Erziehung. Dazu gehören z.B.
als Normen: Grußsitten, die körperliche Reinlichkeit
in der Öffentlichkeit oder die noch als unaufdringlich
geltende Dauer von Blicken auf Fremde in öffentlichen
Verkehrsmitteln bis hin zu rechtlichen Normen. Werte können
sein: Demokratie, freie Wahlen, ethische Werte wie Gerechtigkeit,
Solidarität bis hin zu freier Wettbewerb, Unantastbarkeit
des Eigentums. Normen und Werte stellen in der Gesellschaft
teilweise ein heterogenes und widersprüchliches Konglomerat
dar, was die Internalisierung erschwert.
Quelle: Wikipedia