Verhaltenstherapie für Kinder mit
Tourette-Syndrom: eine randomisierte kontrollierte Studie
UCLA Semel Institute for Neuroscience and Human Behavior,
Los Angeles, USA
JAMA. 2010 May
Die Koexistenz von Tics und ADHD hat wichtige klinische
und wissenschaftliche Auswirkungen.
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um eine chronische,
typischerweise in der Kindheit einsetzende neurologische Erkrankung.
Psychopharmaka, die in der Regel erste Therapiewahl bei mittleren bis
schweren Tics sind häufig von Nebenwirkungen begleitet. Verhaltensinterventionen,
sind, obwohl sie vielversprechend scheinen, bislang nicht in einer
großen Studie analysiert worden.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die Wirksamkeit
einer Verhaltenstherapie (CBIT, comprehensive behavioral intervention)
in Bezug auf die Reduktion der Tic-Schwere bei Kindern und Jugendlichen
zu bewerten.
Es handelt sich um eine randomisierte kontrollierte
Studie mit 126 Kindern, die im Zeitraum von Dezember 2004 bis Mai 2007
im Alter von 9-17 Jahren mit Tourette-Syndrom oder chronischen Tic-Störungen
als primäre Diagnose erfasst wurden. Sie bekamen über 10
Wochen 8 Sitzungen einer Verhaltenstherapie (n=61) oder einer Kontrolltherapie,
die aus einer unterstützenden Therapie und Erziehung bestand (n=65).
Sogenannte Responder bekamen 3 monatliche Auffrisch-Therapien
und wurden 3 und 6 Monate nach der Therapie wiederum bewertet. Die
Evaluierung erfolgte mittels Yale Global Tic Severity Scala (Bereich
0-50, Score >15 zeigt klinisch signifikante Tics an) and Clinical
Global Impressions-Improvement Scala (Bereich 1 [sehr starke Besserung]
bis 8 [sehr starke Verschlechterung].
Die Verhaltensintervention führte zu einer signifikant
stärkeren Abnahme der Werte auf der Yale Global Tic Severity Scala
(von 24.7 auf 17.1 ) zwischen Ausgangswert und Endwert im Vergleich
zu den Kontrollen (24.6 auf 21.1) (P < .001).
Bei signifikant mehr Kindern mit Verhaltenstherapie
zeigte sich im Vergleich mit den Kontrollen eine sehr starke oder starke
Besserung in der Bewertung mittels Clinical Global Impressions-Improvement
Scala (52.5% vs 18.5%, P < 0.001). Therapieversager waren selten
(12/126, oder 9.5%); Eine Verschlimmerung der Tics trat bei 4% der
Kinder auf (5/126).
Der Nutzen der Therapie dauerte an, da 87 % der Responder
auch nach 6 Monaten noch einen Therapieerfolg zeigten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Vergleich
zu unterstützender Therapie und Erziehung eine Verhaltenstherapie
zu einer deutlich verbesserten Symptomatik bei Kindern mit Tourette-Syndrom
oder chronischen Tics führt.
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